Mit Frido & Storchi durch die Corona Zeit

Frido und Storchi sind zwei Klassentiere. Normalerweise leben sie bei den Kindern in der Schule. Dort helfen sie ihnen beim Lernen und dazu erleben sie noch viele Abenteuer.
Jetzt ist es nur so, dass alle Schulen geschlossen sind, natürlich auch die von Frido und Storchi. Wie es den beiden in dieser Zeit ergeht, wo sie jetzt leben und ob sie trotzdem einige Abenteuer erfahren, könnt ihr hier nachlesen.

16. März 2020

1. Wer sind eigentlich Frido und Storchi?

Frido und Storchi sind Klassentiere der Klasse 2e. Das ist erstmal nichts Besonderes, denn Klassentiere gibt es doch in jeder Klasse. Die beiden haben zusammen schon sehr viele Abenteuer erlebt. Auch das ist nichts Besonderes. Schließlich dürfen Klassentiere am Wochenende mit einem Kind nach Hause. Frido und Storchi haben sich sehr lieb, sogar so sehr, dass sie vor zwei Wochen geheiratet haben. Ok, das ist etwas BESONDERES!

Sie haben auf einer großen Wiese geheiratet. Es war ein tolles Fest. Es gab laute Musik und es wurde viel getanzt und gelacht. Es gab auch eine große Hochzeitstorte mit Marzipan. Mmhhh, die war vielleicht lecker. Nach der Hochzeitsfeier stand natürlich die Hochzeitsreise an.

Mit dem Heißluftballon ging es für die Beiden in den warmen Süden. Storchi und Frido lieben Abenteuer, deshalb sollte es auch eine abenteuerliche Hochzeitsreise werden.

Am ersten Tag waren sie im Kino. Sie haben den Film „Lassie – Eine Abenteuerliche Reise“ geschaut. Den zweiten Tag haben Sie im Freibad verbracht. Storchi traute sich zum ersten Mal, vom 3 Meter Brett zu springen. Frido war sehr stolz auf sie. Am dritten Tag brauchten sie ein wenig Erholung und nutzten den Wellness – Bereich im Hotel.

Am vierten Tag haben sie in den Nachrichten erfahren, dass die Schule unter der Iburg wegen des Corona Virus geschlossen wird. Sie schauten sich beide in die Augen und dachten dasselbe: „Wir müssen so schnell wie möglich zurück nach Deutschland.“ …

18. März 2020

2. Frido und Storchi sind zurück in Deutschland!

… Jetzt musste es wirklich schnell gehen. Mit einem Heißluftballon würde die Rückreise viel zu lange dauern. Also besorgten sich die beiden ein Flugzeug. Für Frido war es nicht einfach, die Maschine zu steuern, da ihm viele Wolken am Himmel die Sicht versperrten. Aber er schaffte es nach einer langen Flugreise, die Maschine sicher zu landen – mitten auf dem Dach der Schule unter der Iburg.

„Puuhh, endlich zuhause!“, dachte sich Storchi. Aber irgendetwas war anders. Es war so still. Weit und breit war kein einziges Kind zu sehen. „Die Frau in den Nachrichten hatte recht!“, sagte Frido ganz aufgeregt. „Die Schule ist tatsächlich geschlossen!“

Storchi fing an zu weinen: „Aber das ist doch nicht mehr das Gleiche, wenn keine Kinder da sind. Unser zuhause ist doch immer dort, wo Kinder sind. Daraufhin nahm Frido sie ganz fest in den Flügel und tröstete sie: „Alles wird gut. Da bin ich mir ganz sicher.“

Storchi setzte sich auf die Wiese und erholte sich von der langen Reise. Währenddessen ging Frido zur Schulleiterin Frau Roß. Nach einer halben Stunde kehrte er zu Storchi zurück und begann zu sprechen: „Die Lage ist tatsächlich ernst. Dank Frau Roß weiß ich jetzt auch mehr über das Corona Virus. Wir müssen uns und andere schützen.“ Storchis Augen wurden ganz groß. „Ok, und was heißt das jetzt für uns?“, fragte sie. „Müssen wir etwa in einer Schule ohne Kinder bleiben? Das finde ich unheimlich.“ „Nein, nein! Keine Sorge“, entgegnete Frido. „Wir bauen uns ein Haus!“ Storchi kam aus dem Staunen nicht mehr heraus: „Aber wie…?“ Sie schaffte es nicht zu Ende zu reden, da unterbrach Frido sie: „Wie das gehen soll? Dank Frau Roß wird das Unmögliche möglich. In Krisensituationen hilft man sich eben, sagte sie. Sie hat alle Klassentiere der Schule unter der Iburg angerufen und ihnen folgende Dienstanweisung gegeben: Fridos und Storchis Haus muss noch heute fertig werden! Und für einen Bauplatz hat sie auch direkt gesorgt.“ „Das ist ja großartig!“, jubelte Storchi. „Wir bauen uns ein Traumhaus!“

Es dauerte nicht lange, da kamen tatsächlich alle Tiere der Schule unter der Iburg zur Hilfe. Leo der Löwe schleppte die Steine. Gira die Giraffe kümmerte sich um das Dach. Nelly und Norbert sorgten für das leibliche Wohl. Jeder hatte seine ganz eigene Aufgabe. Für Frido und Storchi ging ein Traum in Erfüllung. Sie hatten jetzt ein eigenes Haus.

Am Abend schafften sie es gerade noch bis zum Sofa. Dann schliefen sie tief und fest ein …

20. März 2020

3. Frido und Storchi auf der Suche nach Abenteuern

… Als Frido und Storchi am nächsten Morgen aufwachten, wussten sie erst gar nicht, wo sie sind. Doch dann fiel es ihnen wieder ein. Es ist einfach so viel passiert: Die ganze Aufregung um den Corona Virus, der plötzliche Abbruch der Hochzeitsreise und dann noch das eigene Haus.

Die beiden schauten sich erstmal ganz in Ruhe in ihrem neuen Haus um. „Das ist alles so wunderschön“, staunte Frido. „Die Klassentiere der Schule unter der Iburg haben wirklich ganze Arbeit geleistet.“ „Ja, das stimmt“, sagte Storchi. „Als Dankeschön sollten wir sie zu einer Einweihungsparty einladen. Am besten gleich heute Abend.“ „Aber das können wir doch nicht machen, Liebling! Hast du schon vergessen, was Frau Roß sagte? Wir müssen uns und andere schützen! Eine Einweihungsparty wäre doch im Moment nichts anderes als eine Corona Party. Und Corona Partys sind ausdrücklich verboten. „Aber, aber wir müssen uns doch bei unseren Freunden bedanken für ihren großartigen Einsatz“, stotterte Storchi. „Das werden wir tun“, sagte Frido. „Aber erst wenn die Corona Zeit vorbei ist. Und glaub mir, das wird ein Fest! Eine Party, wie wir sie noch nie gefeiert haben.“ „Au jaaaaaaa!“, jubelte Storchi.

Zum Frühstücken gingen die beiden in den Garten und machten es sich dort gemütlich. Während sie so dasaßen, ihren Kaffee tranken und ihr Brötchen aßen, sagte Storchi plötzlich: „Du, Frido, findest du das nicht auch komisch?“ „Was meinst du mit komisch?“, fragte Frido. „Na, es ist so still. Nur ein einziger Vogel, der da zwitschert. Normalerweise zwitschern 24 Kinder herum, während wir frühstücken.“ „Ich vermisse die Kinder auch“, sagte Frido. „Aber wir werden uns daran gewöhnen müssen. Es wird immer wieder Veränderungen und Neues für uns geben. Das ist das Leben.“ „Du hast ja recht“, erwiderte Storchi. „Und es hat auch was Gutes. Dann bleibt es wenigstens spannend und abenteuerlich. Frido schmunzelte und sagte: „Das ist es, was ich so sehr an dir mag!“ Dann jubelte er voller Freude: „Heute bummeln wir durch die Stadt! Das wird ein Abenteuer!“ „Jippppieeee!“, jubelte Storchi zurück. „Ich will mir doch schon so lange ein neues Kleid kaufen.“

Die beiden flitzten mit ihrem Roller in die Stadt.

„Ich freue mich schon so sehr auf mein neues Kleid“, sagte Storchi, als sie in die Nähe der Geschäfte kamen. Doch während sie an dem ersten Geschäft vorbeigingen, kullerte ihr eine Träne über die Wange. An der Eingangstür hing ein Zettel mit der Aufschrift: Wegen des Corona Virus bleibt unser Geschäft bis auf Weiteres geschlossen. Frido nahm Storchi sofort in den Arm und tröstete sie: „Ich weiß, wie sehr du dich auf dein neues Kleid gefreut hast, aber die Sicherheit der Menschen geht jetzt vor. „Ich weiß, du hast ja recht“, sagte Storchi. „Aber können wir denn überhaupt noch irgendetwas machen?“

Frido wurde ganz nachdenklich: „Ich habe eine Idee. Vertrau mir einfach und folge mir.“ Frido ging mit Storchi in den Wald. Sie setzten sich auf einen Baumstamm und hörten den Vögeln beim Singen zu. Nach einer Weile flüsterte Storchi: „Das haben wir ja seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht. Ich habe ganz vergessen, wie schön die Abenteuer im Wald sein können.“ …

23. März 2020

4. Hat Frido das Corona Virus?

… Frido und Storchi verbrachten eine ganze Weile im Wald. Als die Vögel keine Lust mehr hatten zu singen, blieben sie trotzdem: Sie sammelten Äste, bauten eine Bude für die Tiere des Waldes und spielten Verstecken.

Es wurde langsam dunkel. Storchi sagte: „Frido, wenn die Geschäfte in der Stadt nicht mehr auf haben, bedeutet das etwa, dass auch keine Supermärkte mehr geöffnet sind?” „Nein, nein! Mach dir keine Sorgen“, sagte Frido. „Alle Lebensmittelgeschäfte haben weiterhin geöffnet.“ „Puuhhh, Glück gehabt!“, sagte Storchi ganz erleichtert. „Wir müssen nämlich dringend einkaufen.“

Auf dem Rückweg machten die beiden an einem Supermarkt halt. „Holst du eben einen Einkaufswagen!“, rief Storchi Frido zu. „Ich gehe schon mal rein.“ „Geht klar!“, antwortete Frido.

Als sie sich im Supermarkt trafen, sagte Frido: „Sag mal Storchi, hast du gerade nicht bemerkt, wie nah du an den Leuten vorbeigegangen bist?“ „Hääähh, wieso nah?“, fragte Storchi ganz erstaunt. „Ich habe doch niemanden berührt.“ „Das spielt keine Rolle. Die Viren können springen. Stell dir vor, dass die Viren von Mensch zu Mensch hüpfen. Weil sie aber nicht weiter als 2 Meter hüpfen können, müssen wir mindestens diesen Abstand einhalten. Setz dich doch ruhig auf den Einkaufswagen. Ich achte darauf, dass wir immer zwei Meter von andern entfernt sind.“ „Au jaaaaa!“, jubelte Storchi. „Das wird ein großer Spaß, wenn du mich schiebst.“

Frido achtete zwar auf den „2 Meter Abstand“, aber nicht darauf, was Storchi alles in den Einkaufswagen legte. Erst an der Kasse bemerkte er die 20 kg Mehl in ihrem Wagen. „Bist du denn verrückt geworden, Storchi! Warum zum Teufel liegen 20 kg Mehl in unserem Wagen?“ „Aber, aber ich habe es doch nur gut gemeint“, sagte Storchi ganz traurig. „Was ist, wenn es tatsächlich zur Ausgangssperre kommt und wir für immer in unserem Haus bleiben müssen.“ „Ach Liebling, selbst wenn es zur Ausgangssperre kommt, können wir trotzdem noch zum Einkaufen gehen. Und es wird auch nicht für immer sein.“ „Na gut!“, sagte Storchi. „Dann reichen uns ja auch 2 kg Mehl.“

Während die beiden zuhause ihre Einkäufe einräumten, sagte Frido plötzlich: „Ich habe irgendwie Halsschmerzen!“ Daraufhin reichte ihm Storchi eine Tablette und sagte: „Damit verschwinden deine Halsschmerzen wie im Flug.“ „Aber was ist, wenn ich das Corona Virus habe, Halsschmerzen sind nämlich ein Symptom.“ „Mmhh“, überlegte Storchi. „Wie können wir das denn herausfinden?“ „Warte! Ich habe eine Idee!“, rief Frido ganz aufgeregt. „Man soll wohl auch nichts mehr riechen und schmecken können. Lass uns unser Lieblingsgericht kochen!“ „Oh ja. Das machen wir sofort!“, rief Storchi.

Sie schnippelten, bruzzelten und rührten ganz fleißig. „Mmhhhhh, wie das duftet!“, hörte Storchi aus Fridos Schnabel schnattern. „Na, das spricht ja schon mal gegen das Corona Virus“, lächelte sie. „Deine Nase funktioniert scheinbar noch gut.“

Und auch während die beiden aßen, konnte Frido wie immer nicht genug von seinem Lieblingsgericht bekommen, weil es einfach so köstlich war. „Ich glaube nicht, dass du das Corona Virus hast!“, sagte Storchi. „Das ist bestimmt eine ganz normale Grippe.“ „Aber mein Hals tut immer doller weh“, sagte Frido. „Dann musst du dich jetzt schonen. Du brauchst Ruhe und ganz viel Schlaf.“

Mittlerweile ging es Frido sehr schlecht und er legte sich ins Bett. Storchi setzte sich zu ihm und las ihm eine Geschichte vor. Nach einer Weile schlief Frido tief und fest ein …

26. März 2020

5. Der Schatz

In den darauffolgenden Tagen lag Frido nur im Bett. Er fühlte sich gar nicht gut. Aber Storchi kümmerte sich ganz lieb um ihren Frido. Sie kochte ihm Kamillentee, machte ihm eine gesunde Suppe und las ihm seine Lieblingsgeschichten vor.

Mittlerweile sah Frido wieder ziemlich gesund aus und Storchi sagte: „Du Frido, willst du nicht mal langsam wieder versuchen aufzustehen?“ „Oh nein!“, sagte Frido. „Mir geht es noch gar nicht gut. Kannst du mir bitte wieder eine Geschichte vorlesen?“ „Aber du siehst doch wieder ganz frisch aus!“, antwortete Storchi. „Nein, mir geht es wirklich ganz mies. Los, bitte lies mir jetzt eine Geschichte vor“, stöhnte Frido.

Das war Storchi nicht ganz geheuer. Sie hatte das Gefühl, dass Frido die Situation für sich ausnutzt. Deshalb las sie ihm keine Geschichte vor, sondern ging in die Küche und begann fleißig zu werkeln: Sie schmiss den Ofen an, sie mischte, sie rührte und eine halbe Stunde später hörte man, wie sie die Spülmaschine einräumte. Das war auch der Moment, in dem plötzlich Frido in der Küche auftauchte. Als Storchi ihn sah, sagte sie: „Das ist aber eine Überraschung! Herr Frido ist aufgestanden. Wie ist das denn möglich? Es geht ihm doch soooooo mies!“ „Ist ja schon gut“, antwortete Frido. „Du hast mich ertappt, aber ich liebe es einfach so sehr, wenn du mir Geschichten vorliest.“ „Ach Liebling, aber dafür musst du dich doch nicht absichtlich krankstellen, vielmehr solltest du dich freuen, dass es dir wieder besser geht. Ich lese dir doch auch so gerne Geschichten vor.“ Frido umarmte seine Storchi. Dabei flüsterte er ihr ins Ohr: „Aber weißt du, was ich noch viel mehr liebe?“ „Ich kann es mir schon denken“, erwiderte Storchi, „aber sag du es mir!“ „Den Kuchen, der da im Ofen ist. Mmmhhhh, der Duft hat sich ja schon im ganzen Haus verteilt. Einfach himmlisch!“, schwärmte Frido. Storchi sah ihn dabei schmunzelnd an und sagte: „Ich wusste schon, wie ich dich aus dem Bett kriege.“

Während die beiden ihren Lieblingskuchen aßen und ihre neuen Abenteuer planten, hörten sie plötzlich ein lautes Bellen: Wuff Wuff Wuff „Hast du das auch gehört?“, fragte Storchi. „Ja! Es hört sich so an, als käme es aus dem Garten.“ Frido und Storchi gingen sofort in den Garten, um nachzuschauen. Und Tatsächlich! Vor ihnen stand ein süßer, brauner Haushund. „Na, wer bist du denn?“, sagte Frido. „Und wo kommst du eigentlich her?“ Daraufhin fing der Hund an zu jaulen und wedelte dabei kräftig mit dem Schwanz. „Ach wenn er doch nur sprechen könnte, wie wir Klassentiere“, sagte Storchi, während sie ihn auf ihren Flügel nahm. „Er könnte uns alles erzählen: Wie er hier hingekommen ist, wo sein zu Hause ist und noch vieles mehr.“ Frido schaute sie dabei ganz misstrauisch an und sagte: „Weißt du was ich glaube? Unsere Freunde haben uns nicht nur eine Hundehütte gebaut, damit wir uns irgendwann mal einen Hund kaufen können, sondern sie haben uns direkt einen Hund dagelassen.“ „Aber, aber…“, schaffte es Storchi nur zu stottern, da wurde sie schon von Frido unterbrochen: „Nichts aber, dieser Hund gehört jetzt zu uns und wir werden uns um ihn kümmern.“ „Aber glaubst du, dass wir auch wirklich gute Hundeeltern sind?“, schaffte es Storchi jetzt zu sagen. „Wir haben es nicht mal bemerkt, dass wir die ganze Zeit einen Hund in unserem Garten haben.“ „Wenn wir es schaffen, uns um 24 Kinder in der Schule zu kümmern, werden wir doch wohl mit einem Hund fertig“, murmelte Frido. „Da hast du auch wieder recht“, sagte Storchi.

Frido und Storchi gingen mit ihrem neuen Hund Pluto (so nannten sie ihn) spazieren. Sie kamen an einer großen Wiese vorbei. Dort verrichtete Pluto zuerst sein Geschäft, doch dann fing er plötzlich ganz wild an zu buddeln. „Schau mal, Storchi! Was macht der da?“ „Keine Ahnung!“, sagte sie ganz nervös. „Jetzt hör auf damit Pluto, wir wollen weitergehen!“ Aber Pluto war nicht mehr zu stoppen. Er buddelte und buddelte und buddelte. „Ich hab`s!“, rief Frido ganz aufgeregt. „Irgendwo hier muss ein Schatz versteckt sein. Los, helfen wir ihm!“ „Aber wie sollen wir das machen?“, rief Storchi. „Wir können doch nicht mit unserem Schnabel graben.“ „Du wartest hier!“, sagte Frido. „Ich bin gleich wieder da.“ „Wo willst du denn hin?“, rief Storchi noch hinterher, aber Frido war schon weg.

Zehn Minuten später kehrte er mit zwei Spaten zurück. Pluto hatte mittlerweile aufgehört zu buddeln. Aber dafür begannen jetzt Frido und Storchi zu graben. Sie waren nicht mehr zu stoppen, denn sie wollten unbedingt den Schatz finden. „Da! Siehst du es?“, rief Frido. „Da glitzert etwas Silbernes. Das muss der Schatz sein.“ „Ja, ich kann es auch sehen!“, freute sich Storchi. Aber dann bekam sie ein trauriges Gesicht und sagte: „Das ist doch nur ein alter Handspiegel. Das hat doch mal gar nichts mit einem Schatz zu tun.“ Frido wurde richtig wütend: „Das soll der Schatz sein? Dafür haben wir uns so sehr angestrengt? Das kann doch wohl nicht wahr sein!“

Enttäuscht gingen die beiden mit ihrem Hund Pluto, zwei Spaten und einem Handspiegel nach Hause. Sie waren sehr erschöpft und ruhten sich auf dem Sessel aus. Dabei schauten sie gemeinsam in den Handspiegel. Und während sie so schauten, sagte Storchi plötzlich ganz erstaunt: „Jetzt habe ich den Schatz entdeckt?“ „Wie, du hast den Schatz entdeckt? Wir wissen doch beide, dass das nur ein alter, blöder Handspiegel ist!“, sagte Frido. „Nein Frido! Nicht der Spiegel, sondern das was in dem Spiegel drin ist.“ „Wie, was in dem Spiegel drin ist? Das ist doch nichts Wertvolles. Das ist doch nur Glas oder so!“ „Nein, nein! Das was darin zu sehen ist, wenn du hineinschaust.

Frido schaute in den Spiegel. Dabei wurde er plötzlich ganz ruhig und brachte keinen Ton mehr heraus. Jetzt hatte auch er den Schatz entdeckt …

30. März 2020

6. Von Piraten und Sternen

Frido und Storchi spielten gerade ein Kartenspiel, da sagte Frido: „Du Storchi, irgendwie geht mir das mit dem Handspiegel nicht aus dem Kopf. Ich glaube ich hätte mich doch mehr über einen anderen Schatz gefreut.“ „Was meinst du mit einem anderen Schatz?“, fragte Storchi. „Naja, zum Beispiel Gold! Dann wären wir reich und könnten uns alles kaufen. So wie die Piraten, die hatten doch auch immer ganz viel Gold an Bord.“ „Da kommt mir eine Idee“, sagte Storchi ganz aufgeregt. „Wir fahren an den See.“ „Au jaaaa!“, freute sich Frido. „Das machen wir, mit einem Boot werden wir den See überqueren und dann kehren wir mit einem großen Sack voller Gold zurück. Das wird ein Abenteuer!“

Die beiden packten ihren Picknickkorb zusammen und machten sich auf den Weg. Allein die Reise mit dem Bus war für Frido schon ein großer Spaß. „Uiiiiii, wie der Bus hin und her schaukelt“, freute er sich. „Das ist ja wie in einem Karussell.“ Storchi hingegen fand das gar nicht witzig. Sie musste sich fast übergeben und setzte sich sicherheitshalber ganz nach vorne. „Oje, hoffentlich schaukelt das Boot auf dem See nicht so sehr“, dachte sie ganz besorgt.

Storchi hatte Glück! Es gab zwar ein paar Wellen auf dem See, aber es war nicht so schlimm wie das Schaukeln des Busses. Während die beiden ruderten, wurde Frido plötzlich ganz nachdenklich: „Ich frage mich die ganze Zeit, wie wir an das Gold kommen sollen? Wie machen das nur die Piraten, wenn sie auf hoher See sind? Ich sehe hier weit und breit kein Gold.“ Frido dachte weiter nach: „Mmhhh, oder liegt es im Wasser und wir müssen nur danach tauchen?“ Storchi schaute Frido ganz ungläubig an und sagte: „Da kannst du lange tauchen! Ich kann dir sagen, wie die Piraten an ihr Gold kommen, sie überfallen andere Schiffe und klauen es ihnen weg!“ „Wwwwaas“, stotterte Frido, „damit habe ich nicht gerechnet. Heißt das etwa, dass wir ein anderes Boot überfallen müssen?“ „Naja, ich glaube darum wirst du nicht herumkommen, wenn du mir beweisen möchtest, dass du ein richtiger Pirat bist.“, schmunzelte Storchi. „Mmhhh, ich weiß nicht“, murmelte Frido vor sich hin, „ich glaube, auf diesen Schreck brauch ich erstmal eine Stärkung.“

Sie paddelten ans Ufer und machten es sich auf ihrer großen Picknickdecke gemütlich. Während sie heißen Kakao tranken und ihre selbstgemachten Haferkekse aßen, beobachteten sie wie ein Mann in der Nähe des Ufers etwas aufbaute. „Schau mal, was macht der da?“, flüsterte Frido. „Der baut ein Teleskop auf“, flüsterte Storchi zurück. „Ein Tele…was?“ „Mit einem Teleskop kann man ganz weit in den Himmel schauen, sogar bis zu den Sternen.“ „Oohhh!“, staunte Frido, „ich würde auch so gerne mal bis zu den Sternen schauen. Soll ich den Mann fragen, ob wir mal hineinschauen dürfen?“ „Au jaaa!“, freute sich Storchi, „Würdest du das machen?“ „Ich würde schon fragen wollen“, murmelte Frido, „aber wir dürfen doch keinen Kontakt zu anderen haben, du weißt doch – der Corona Virus!“ „Ach ja!“, antwortete Storchi, „das habe ich schon wieder ganz vergessen. Aber ich finde, dass Bis-zu-den-Sternen- schauen schon eine wichtige Sache ist. Also wenn du den 2 Meter Abstand einhältst, kannst du doch ruhig fragen.“

Daraufhin beobachtete Storchi, wie sich Frido dem Mann ganz vorsichtig näherte. Er hielt 2 Meter Abstand und sie konnte sehen, wie sie anfingen, miteinander zu reden. Kurze Zeit später kehrte Frido zurück und trug ein breites Grinsen auf seinem Schnabel: „Wir haben dieses Teledings die ganze Nacht für uns alleine. Der Mann sagte, es sei allerhöchste Zeit für uns, dass wir mal bis zu den Sternen schauen.“ „Oohhh, das ist ja großartig!“, freute sich Storchi. „Das wird ein Abenteuer.

Es dauerte nicht mehr lange, bis es dunkel wurde. Die ersten Sterne funkelten schon am Himmel. „Ich finde, die Sterne sehen von hier unten aus wie Goldstücke“, freute sich Frido. Storchi hörte ihm schon gar nicht mehr zu, denn sie war tief in ihren Gedanken versunken. Dabei murmelte sie die ganze Zeit: „Ob das wohl stimmt? Ob das wohl stimmt? Ob das wohl wirklich stimmt? „Storchi!“, rief Frido ganz laut. „Was murmelst du da die ganze Zeit vor dich hin? Ob was wohl stimmt?“ „Ich bin so aufgeregt, Frido! Ich habe mal gehört, dass jeder Stern zu einem Kind auf dieser Erde gehört. Und auf jedem Stern lebt ein Engel, der dieses Kind beschützt.“ „Davon steht zwar nichts in dem Sterne-Buch, das der Mann uns dagelassen hat, aber das ist doch wunderbar!“, staunte Frido. „Und wie ist es mit den Erwachsenen? Haben die etwa keinen Sternenengel? Gerade jetzt in der Corona Zeit haben die Erwachsenen einen Engel doch viel nötiger. Du weißt schon, wegen der Risikogruppe.“ „Naja, die Erwachsenen waren doch auch mal Kinder, also haben sie natürlich auch einen Sternenengel“, antwortete Storchi. „Puuhhh, zum Glück!“ sagte Frido. Dann sagte er noch: „Aber, wie ist es wohl mit Flamingos und Störchen? „Eben deshalb bin ich doch so aufgeregt“, stotterte Storchi. „Das weiß ich nicht, aber ich habe immer ganz fest daran geglaubt, dass es auch für uns so ist.“ „Ok, und jetzt hast du also Angst, dass wenn du in dieses Teledings da schaust…“

Storchi hörte Frido schon gar nicht mehr zu, sondern blinzelte mit einem Auge in das Teleskop hinein und gab keinen Ton mehr von sich. Frido wurde ganz ungeduldig und fing an zu drängeln: „Und? Stimmt es? Haben wir auch einen Sternenengel? Los, jetzt lass mich doch auch mal gucken!“ Aber Storchi reagierte nicht. Sie schaute einfach nur weiter in den Himmel, bis sie plötzlich aus dem Staunen nicht mehr herauskam. „Jaaa, es stimmt tatsächlich. Wir haben auch einen Sternenengel? Und weißt du was? Unsere beiden Sterne sind ganz nah beieinander.“

Jetzt brachte auch Frido keinen Ton mehr heraus. Er spürte nur, wie sich seine Federn sanft aufstellten, von der Gänsehaut, die er bekam…

3. April 2020

7. Storchi steckt fest

Frido und Storchi verbrachten die ganze Nacht unter dem Sternenhimmel. Neben ihren Sternenengeln entdeckten sie auch viele Sternenbilder am Himmel. Sie kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Doch das viele Staunen machte ganz schön müde. Irgendwann schliefen sie tief und fest ein.

Am nächsten Morgen wurden sie vom Geschnatter der Enten geweckt. Während die beiden sich reckten, streckten und ihre morgendlichen Dehnübungen machten, sagte Storchi: „Du Frido, wenn ich da so die Entenfamilie sehe, werde ich ganz traurig.“ „Aber wieso denn?“, fragte Frido. „Die sind doch süß.“ „Naja“, sagte Storchi, „dann muss ich aber an die Kinder in der Schule denken. Sie waren für uns doch auch wie eine Familie und jetzt sind wir ganz allein.“ „Aber Liebling, die Corona Zeit ist doch nicht für immer“, tröstete Frido sie. „Hast du denn schon unser Motto vergessen? Wir wollen doch aus allen Situationen immer das Beste machen und ich bin mir ganz sicher, dass wir das auch diesmal schaffen.“ „Ja, schon“, sagte Storchi, „aber im Moment fällt es mir wirklich sehr schwer.“

Daraufhin verscheuchte Frido die Enten. Storchis Laune wurde trotzdem nicht besser. Traurig senkte sie ihren Kopf, dass sogar ihre Schnabelspitze auf den Boden stupste. „Aber was ist, wenn wir irgendwas nicht mitbekommen haben und die Kinder vielleicht doch schon wieder in der Schule sind?“, sagte Storchi ganz besorgt. „Da kannst du mir vertrauen“, entgegnete Frido, „ich schaue doch schon extra jeden Abend die Nachrichten, damit wir auch keine wichtigen Corona Infos verpassen.“ „Moment mal!“, erwiderte Storchi. „Was war denn gestern Abend? Wir haben die ganze Zeit hier am See unter dem Sternenhimmel verbracht. Da hast du keine Nachrichten geguckt.“ Storchi wurde ganz nachdenklich, dann schrie sie plötzlich auf: „OH NEIN! Wir müssen sofort in die Schule. Was ist, wenn gestern beschlossen wurde, dass die Schulen heute wieder auf sind? Los, wir müssen uns beeilen.

In diesem Moment tat Storchi etwas, das sie nur in absoluten Notfällen tut: Sie breitete ihre Flügel aus. Frido wusste genau, was das zu bedeuten hat. Seine Stimme begann zu zittern: „Aber Liebling, du weißt doch, dass ich ohne Flugzeug oder Heißluftballon Flugangst habe. „Das ist jetzt ein Notfall!“, schrie Storchi. „Setz dich sofort auf meinen Rücken! Ich fliege!“
Fest entschlossen hob Storchi ab und düste wie ein Blitz in Richtung Schule unter der Iburg. Frido hielt sich ganz ängstlich an Storchis Federn fest und rief: „Bitte versprich mir, dass wir das nie wieder tun. Ich brauche doch zum Fliegen ein Fluggerät. „Ich bin jetzt dein Fluggerät!“, entgegnete Storchi mit lauter Stimme. „Nein, du weißt schon, ich meine ein richtiges Flugzeug.“ Storchi antwortete nicht mehr, sondern legte noch einen Zahn zu.

Nach nur zehn Minuten landete sie mitten auf dem Schulhof der Schule unter der Iburg: „Los, wir müssen schnell ins Gebäude!“ Doch Frido lief schon gar nicht mehr hinterher, sondern rief nur: „Du kannst dich beruhigen. Hier ist weit und breit kein Kind zu sehen.“ Storchi war nicht mehr zu stoppen. Sie lief mit hoher Geschwindigkeit auf die Eingangstür zu und dann passierte es. Sie schaffte es nicht mehr rechtzeitig zu bremsen und blieb mit ihrem spitzen Schnabel im Schlüsselloch der Eingangstür stecken. „Oh nein!“, rief Frido und rannte so schnell er konnte zu ihr. Er versuchte mit ihr zu sprechen, aber sie konnte nicht antworten. Ihr Schnabel steckte tief im Schlüsselloch fest. „Ich bin gleich wieder da!“, rief Frido ganz aufgeregt. „Ich hole Hilfe!“

Frido erinnerte sich, dass die Schulleiterin Frau Roß jeden Tag in ihrem Büro ist. Er rannte so schnell er konnte ins andere Gebäude. Kurze Zeit später kam er jedoch nicht mit Frau Roß heraus, sondern mit dem Hausmeister Herrn Eyers – natürlich hielten sie den 2–Meter–Abstand ein. Frido trug einen Erste-Hilfe-Koffer in seinem Flügel und der Hausmeister trug eine große Zange in seiner Hand. „Mit der Zange müssten wir Storchis Schnabel wieder befreien können“, sagte Herr Eyers. Frido hatte kein gutes Gefühl dabei, denn er wusste, dass Storchi einen sehr sensiblen Schnabel hat: „Hoffentlich geht das nur gut“, dachte er ganz besorgt. Doch als sie einen Moment später vor der Eingangstür standen, traute Frido seinen Augen nicht mehr: „Storchi, wo bist du!“, rief er ganz laut. Daraufhin vernahmen sie ein leises Storchengeklapper. „Ich glaube, es kommt aus dem Gebüsch“, flüsterte Frido. „Ich lasse euch jetzt mal allein“, sagte Herr Eyers. „Und versprich mir, dass du dich gut um Storchi kümmerst. Sie ist nämlich ein ganz besonderer Storch.“

Frido ging ganz vorsichtig in das Gebüsch. „Was machst du denn für Sachen?“, sagte er ganz besorgt. „Hast du dich am Schnabel verletzt?“ Dabei sah er, wie Storchi eine ganz dicke Träne aus dem Auge lief. „Ich glaube, es geht schon wieder“, antwortete sie mit weinender Stimme, „aber ich hatte solche Angst. Ich dachte schon, ich werde für immer mit meinem Schnabel in dem Schloss feststecken.” Während Frido sie daraufhin ganz doll umflügelte, sagte er mit sanfter Stimme: „Ach Liebling, die Dinge sind niemals für immer.“ Da musste Storchi noch mehr weinen. Frido sprach weiter: „Egal wie schlimm es auch sein mag, von irgendwo kommt immer eine Hilfe her. Der Hausmeister stand doch auch schon mit seiner Zange bereit.“ „Was! Eine Zange?“, schreckte Storchi auf. „Puuuhh, zum Glück habe ich mich selbst befreien können.“ Durch den Schreck hörte sie plötzlich auf zu weinen. Und Frido streichelte ganz sanft über die Spitze ihres Schnabels, denn er wusste, dass sie dort besonders kitzelig ist.

6. April 2020

8. Die „Flamingo–Storch–Corona–Ausnahme“

Das war ein Schreck. Storchi ist mit ihrem Schnabel im Schlüsselloch der Eingangstür der Schule unter der Iburg steckengeblieben. Zum Glück ist das nochmal gut gegangen. Als die beiden danach im Gebüsch waren, kitzelte Frido Storchi so sehr an der Spitze ihres Schnabels, dass dieser sich vor lauter Lachen sogar einen Moment lang krümmte. Die Sache mit dem Türschloss hatte sie längst vergessen und sagte: „Du Frido, wenn wir jetzt schon in der Schule sind, was würdest du davon halten, wenn wir mal in der Sporthalle vorbeischauen?“ „Aber was willst du denn in der Sporthalle?“, fragte Frido ganz erstaunt. „Und außerdem glaube ich nicht, dass sie auf ist, wir haben doch Corona Zeit! Niemand ist in der Schule und die Kinder aus den Vereinen dürfen auch keinen Sport machen.“ „Ich weiß, du hast ja recht“, sagte Storchi, „aber lass uns wenigstens schauen. Vielleicht haben wir Glück.“ „Meinetwegen“, stöhnte Frido, „aber du hast mir noch immer nicht gesagt, was du dort willst.“ Storchi begann zu schmunzeln und sagte: „Du weißt doch, wie gerne ich hüpfe. Ich würde so gerne das Trampolin aufbauen und einfach nur stundenlang hüpfen. „Ohhh jaaaa, das wäre ein Abenteuer, das große Trampolin nur für uns zwei!“, freute sich Frido. Dann wurde er etwas ängstlich und sagte: „Aber hoffentlich erwischt uns niemand dabei.“

Frido und Storchi hatten Glück. Die Sporthalle war tatsächlich auf. Ganz leise schlichen sie hinein, um sich erstmal zu vergewissern, ob auch wirklich niemand da ist. Doch plötzlich hörten sie, wie sich die Toilettentür öffnete. Sie schafften es nicht mehr, sich zu verstecken. Eine laute Stimme hallte durch den Gang: „Was macht ihr zwei Knalltüten denn hier?“ Als Frido und Storchi sahen, wem die Stimme gehörte, zuckten sie zusammen. Es war der Hausmeister Herr Eyers. „Ihr habt hier nichts verloren!“, schimpfte er. „Die Corona – Regeln gelten für alle: Auch für Flamingos und Störche!“ „Aber, aber“, stotterte Storchi, „könnten wir nicht eine klitzekleine Flamingo-Storch-Corona-Ausnahme machen?“ „Nix da!“, entgegnete Herr Eyers. „Ihr macht jetzt sofort einen riesengroßen Flamingo-Storch-Abflug.“ In diesem Moment lief Storchi eine dicke Träne über die Wange. Mit trauriger Stimme sagte sie: „Aber Herr Eyers, du weißt doch auch wie gerne ich hüpfe! Jetzt wäre endlich mal die Gelegenheit. Frido und ich hätten das Trampolin für uns ganz allein. Bitte, bitte, bitte…“ Wenn Herr Eyers eins nicht sehen kann, dann sind es traurige Klassentiere. „Also gut ihr beiden, das ist dann aber wirklich eine riesengroße Flamingo-Storch-Corona-Ausnahme. Ihr dürft zwei Stunden hüpfen und danach macht ihr einen Flamingo-Storch-Abflug, versprochen?“ „Versprochen!“, jubelten Frido und Storchi.

Sie stürmten in den Geräteraum und bauten das Trampolin in der Mitte der Sporthalle auf. Für Storchi ging ein großer Traum in Erfüllung. Sie hüpfte zwei Stunden lang, ohne eine einzige Pause zu machen. Frido hingegen brauchte schon immer mal wieder eine Pause und achtete auch ganz gewissenhaft auf die Zeit, bis er irgendwann rief: „Storchi! Wir müssen aufhören, die zwei Stunden sind um.“ „Ach neee!“, rief Storchi. „Das ging zu schnell. Lass uns doch noch weiter hüpfen.“ „Nein, das geht nicht!“, sagte Frido bestimmt. „Ein Versprechen ist ein Versprechen und wir haben Herrn Eyers ein Versprechen gegeben. Los, jetzt lass uns gehen!“ „Du hast ja recht“, entgegnete Storchi, „aber du weißt doch, wenn ich einmal angefangen habe zu hüpfen, kann ich nur ganz schwer wieder aufhören.“

Storchi hatte großes Glück. Draußen regnete es in Strömen und so konnte sie weiterhüpfen, zwar nicht mehr auf dem Trampolin, aber dafür von Pfütze zu Pfütze – und das machte mindestens genau so viel Spaß. Beim Hüpfen vergaß sie jedes Mal die Welt um sich herum. Auch diesmal bemerkte sie nicht, dass Frido weit hinten zurückgeblieben ist. Erst als sie in der Luft eine Drehung machte, sah sie es. Sofort lief sie zurück und konnte sehen, dass Frido etwas in der Hand hielt. „Schau mal Storchi, was ich hier in der Pfütze gefunden habe!“, rief Frido von weitem. „Was ist das?“, fragte Storchi, als sie direkt vor ihm stand. „Na siehst du es nicht? Das ist ein Goldstück“, freute sich Frido. „Heißt das etwa“, stotterte Storchi ganz aufgeregt, „heißt das etwa, dass wir reich sind?“ „Naja“, überlegte Frido, „ich weiß nicht so genau, ob man schon von einem Goldstück reich ist, aber ich glaube, es müsste für ein großes Trampolin reichen“ „Du willst davon wirklich ein Trampolin kaufen?“, freute sich Storchi. „Ich weiß doch wie gerne du hüpfst, Liebling. Du wirst dich nur eine Weile gedulden müssen“, sagte Frido. „Aber warum?“, entgegnete Storchi. „Lass uns doch direkt in ein Trampolingeschäft hüpfen. „Da wirst du aber nur bis vor das Geschäft hüpfen können“, entgegnete Frido, „und nicht hinein. Du hast schon wieder vergessen, dass gerade Corona Zeit ist und nur die wichtigen Geschäfte geöffnet sind.“ „Aber Trampolinspringen ist doch wichtig“, dachte sich Storchi, dann sagte sie: „Na gut, macht nichts. Die Vorfreude ist doch eh die schönste Freude. Wir müssen nur gut auf das Goldstück aufpassen.“

Mittlerweile hatte es aufgehört zu regnen. Die Sonne kam wieder heraus und die Pfützen waren auch schon ausgetrocknet. Sie hatten noch ein gutes Wegstück bis zu ihrem Haus vor sich. Irgendwann sagte Storchi: „Ich kann nicht mehr, meine Beine sind so schlapp vom ganzen Hüpfen. Würdest du mich Huckepack nehmen?“ Frido zögerte nicht, breitete seine Flügel leicht aus und sagte: „Na los, spring auf meinen Rücken! Ich trage dich.“ In diesem Moment hörten sie ein lautes Klirren. „Oh nein!“, rief Storchi. „Das Goldstück, es ist in den Gulli gefallen. „Ach, so ein Mist!“, fluchte Frido. „Ich habe ganz vergessen, dass ich es in meinem Flügel verstaut hatte. Was machen wir nun?“ Storchi überlegte, dann sagte sie: “Ich könnte es mit meinem Schnabel versuchen. Ich hab nur solche Angst davor, wieder steckenbleiben.“ Ganz vorsichtig steckte sie ihren Schnabel in den Spalt des Gullideckels. „Und, kommst du dran?“ rief Frido ganz aufgeregt …

10. April 2020

9. Die Schutzmasken

Das ist ja nochmal gut gegangen. Storchis Schnabel war lang genug, um an das Goldstück zu kommen. „Wie gut, dass du so einen langen Schnabel hast“, sagte Frido. „Ich hätte es bestimmt nicht geschafft.“ „Ja, wie gut, dass wir unterschiedlich sind“, sagte Storchi. „So, aber jetzt passe ich auf das Goldstück auf und du darfst mich Huckepack nehmen.

Als Frido mit Storchi auf dem Rücken die Straße entlang schlenderte, spürte er plötzlich, wie sie sich ganz fest an ihn drückte und zu zittern begann. Dabei wimmerte sie leise: „Frido, schau mal, der Mann da vorne. Sein Gesicht ist ganz vermummt. Ob er wohl weiß, dass wir ein Goldstück haben und uns überfallen will.“ „Ach Liebling, du brauchst keine Angst haben“, entgegnete Frido. „Das ist doch nur eine Schutzmaske. Du weißt doch, wir haben gerade Corona Zeit und durch die Schutzmaske kann das Virus nicht so schnell übertragen werden.“ Während er sprach, spürte er, wie Storchi sich entspannte und ihn nicht mehr so fest umklammerte. „Puuhhh“, sagte sie ganz erleichtert, „Ich dachte schon.“

Als die beiden zu Hause waren, sagte Storchi: „Du Frido, irgendwie geht mir der Mann mit diesem Schutzdings nicht mehr aus dem Kopf. Wäre es nicht auch für uns gut, so was zu tragen?“ „Mmhhh“, überlegte Frido. „Eigentlich hast du recht, wir legen ja schon großen Wert darauf, uns und andere zu schützen. Nur wo bekommen wir eine Maske her? Die sind doch im ganzen Land ausverkauft.“ „Ich habe eine Idee!“, rief Storchi ganz aufgeregt. „Du weißt doch wie gerne ich nähe, das habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht. Ich könnte uns einen ganz eigenen Schnabelschutz nähen.“ „Au jaaa“, freute sich Frido, „das ist eine tolle Idee. Du nähst uns einen Schnabelschutz und ich hänge unsere neuen Bilder auf. Ich liebe es, wenn wir gemeinsam in unserem neuen Haus werkeln.“

Frido holte seinen Werkzeugkoffer aus dem Keller und Storchi kramte ihre Nähmaschine heraus. Dann hörte man nur noch, wie es hämmerte und stichelte. Storchi summte ihr Lieblingslied vor sich hin und vergaß dabei die Welt um sich herum, bis Frido plötzlich rief: „Aber Storchi, was sollen wir denn mit den ganzen Masken machen? Das sind doch bestimmt 30 Stück.“ „Oh je“, stotterte Storchi, „diesmal habe ich wohl nicht nur die Welt um mich herum vergessen, sondern auch, dass ich am Nähen bin. Schutzmasken zu nähen ist einfach toll!“ „Aber was machen wir nur damit?“, entgegnete Frido. „Wir können die doch nicht alle gebrauchen.“

Irgendwann hatten sie eine Idee. Vor ihrem Haus bauten sie einen langen Tisch auf. Darauf legten sie die Masken aus und jedes Klassentier, das vorbeikam, durfte sich eine Schutzmaske aussuchen. Es sprach sich schnell herum. Leo der Löwe erzählte es Wido dem Wolf, Wido erzählte es Gira der Giraffe, Gira erzählte es Emma der Ente, und so weiter. Koli der Koalabär erwischte die letzte Maske, sogar in seiner Lieblingsfarbe. Er bedankte sich bei Frido und Storchi: „Das war wirklich eine tolle Idee von euch beiden. Ich hoffe, wir sehen uns nach den Osterferien in der Schule wieder.“ Während Koli schon auf den nächsten Baum geklettert war, schaute Storchi Frido an und sagte: „Du Frido, es ist doch jetzt so, dass wir mit den Masken uns und andere schützen. Und jetzt, da die Klassentiere auch eine Maske haben, könnten wir nicht, wie jedes Jahr, ein großes Osterfest mit allen Klassentieren zusammen feiern?“ „Aber Liebling“, entgegnete Frido, „das geht leider nicht. Die Masken sind doch nur ein zusätzlicher Schutz. Wir müssen uns trotzdem an die anderen Corona – Regeln halten. Und es ist nun mal so, dass man an Ostern möglichst nur in der eigenen Familie bleiben sollte.“ „Aber, aber“, unterbrach ihn Storchi, „die anderen Klassentiere sind doch unsere Familie.“ Daraufhin umarmte Frido sie ganz fest und sagte: „Ich verstehe dich, aber wir müssen die Situation jetzt so annehmen, wie sie ist und im nächsten Jahr wird die Welt schon ganz anders aussehen.“ Er wischte Storchi eine Träne von der Wange und redete weiter: „Und eins verspreche ich dir, auch dieses Jahr wird ein ganz besonderes Osterfest. Es wird deshalb ganz besonders, weil es anders wird als sonst – weil es neu wird…

15. April 2020

10. Der Wunschbrunnen

Es war der Ostersonntag im Jahr 2020. Wie jedes Jahr, gab es für Frido und Storchi ein leckeres Osterfrühstück mit allen möglichen Leckereien: Rührei, Käse, Wurst, Obst und Gemüse, Marmelade, Honig und was natürlich auch nicht fehlen durfte, war Nutella. Nur eines war anders, es war ein Osterfrühstück ohne die anderen Klassentiere. „Du Frido“, sagte Storchi, „glaubst du, dass der Osterhase in diesem Jahr überhaupt zu uns kommen kann? Wir haben doch Corona – Zeit!“ „Ich weiß es nicht“, sagte Frido, aber ich denke, mit Mundschutz könnte er seine Arbeit erledigen. Vielleicht war er auch schon da? Lass uns doch mal im Garten nachschauen!“ „Au jaaa“, freute sich Storchi, „Ostereiersuchen ist immer wieder ein großes Abenteuer.“

Und tatsächlich! Es dauerte nicht lange, bis die beiden ihr Osterkörbchen fanden. „Boahhh, das sind ja viele Ostereier“, staunte Frido. „Dafür, dass die Welt im Moment still steht, hat der Osterhase ganze Arbeit geleistet. „Und schau mal, was unter den Eiern liegt“, rief Storchi ganz aufgeregt, „ein Seifenblasen-Fläschchen! Frido griff sofort mit seinem Flügel unter die Eier und freute sich riesig: „Ja, ich habe auch ein Seifenblasen-Fläschchen.“

Sie legten ihr Osterkörbchen sofort zur Seite und pusteten so lange Seifenblasen in die Luft, bis die Fläschchen leer waren. Das war vielleicht eine tolle Osterüberraschung. Storchi hatte trotzdem einen traurigen Schnabelausdruck und sagte: „Was wird eigentlich in diesem Jahr aus unserem Osterspaziergang? Normalerweise gehen wir doch immer mit allen Klassentieren eine große Runde spazieren.“ „In diesem Jahr wird alles neu“, sagte Frido, „wir zwei werden eine viel größere Runde als sonst machen. Und weißt du warum? Weil wir mit unseren Inline Skates losflitzen.“ Daraufhin hüpfte Storchi vor Freude in die Luft.

Sie kramten ihre Inliner heraus, setzten ihren Helm auf und flitzten davon. Nach einiger Zeit rief Storchi: „Siehst du auch diese tolle Blumenwiese? Die habe ich ja noch nie zuvor gesehen!“ „Ich sagte doch, wir machen eine noch viel größere Runde“, rief Frido zurück. „Es hat auch Vorteile, wenn Sina die Schnecke nicht dabei ist. Doch das hörte Storchi schon gar nicht mehr. Auch beim Inlineskaten vergaß sie meistens die Welt um sich herum und flitzte einfach davon. Frido blieb weit hinten zurück und dachte sich: „Hoffentlich geht das nur gut. Warum muss Storchi immer so schnell flitzen? Ich habe solche Angst um sie.“ Er hatte den Gedanken noch gar nicht zu Ende gedacht, da sah er aus der Ferne, wie Storchi über einen großen Stein stolperte und im Straßengraben landete. „OH NEIN“, dachte er und legte selbst den Turbogang ein. Noch während er die Vollbremsung machte, rief er völlig außer Atem: „Geht es dir gut, Liebling?“ „So ein Mist!“, fluchte Storchi. „Wo kommen auch nur diese ganzen Steine her?“

Dank des Helms ist ihr zum Glück nichts passiert. Frido war sehr erleichtert und spürte, wie sein Herz wieder begann, langsamer zu schlagen. Während er Storchi auf die Beine half, sagte er ganz überrascht: „Schau mal, was ist das da vorne zwischen den Felsen?“ „Das ist ein Brunnen“, antwortete Storchi. Sie schauten sich in die Augen und zogen sofort ihre Inliner aus, um auf den Hang bis zu den Felsen klettern zu können. Oben angekommen versuchte Storchi möglichst tief in den Brunnen hineinzuschauen und dachte dabei laut nach: „Was ist, wenn wir es hier mit einem Wunschbrunnen zu tun haben?“ „Mit einem was?“, fragte Frido, während sich sein Schnabel dabei leicht krümmte. Storchi begann zu erzählen: „Wenn man vor einem Wunschbrunnen steht, kann man sich etwas wünschen. Wichtig ist dabei, dass der Wunsch aus tiefstem Herzen kommt. Als Dankeschön schenkt man dem Brunnen dann eine Münze. Bei dem Wort Münze musste Frido an sein Goldstück denken und sagte: „Aber was ist, wenn der Brunnen den Wunsch dann doch nicht erfüllt?“ Storchi erzählte weiter: „Hier ist es ganz wichtig, dass du vertraust. Wie der Wunsch in dein Leben kommt, darüber musst du dir keine Gedanken machen, dafür ist der Brunnen zuständig.“ Das einzige was du machen kannst, ist dankbar zu sein. Du darfst schon jetzt dankbar dafür sein, dass sich der Wunsch erfüllen wird und dich auch so verhalten. Irgendwann wird der Wunsch dann Wirklichkeit werden.“ Frido stand mit geöffnetem Schnabel da und staunte: „Das ist ja großartig! Ich glaube, ich würde das gerne mal mit meinem Goldstück ausprobieren. Nur was wird dann aus deinem Trampolin? Das war doch dein Herzenswunsch.“ „Jetzt verrate ich dir noch etwas“, sagte Storchi und sprach weiter: „Die Anzahl der Wünsche ist unbegrenzt. Du darfst dabei nur nicht vergessen, dass die Wünsche aus deinem Herzen kommen. Und es wird noch besser, du kannst dir auch etwas für andere wünschen, zum Beispiel für mich oder für ein Klassentier, dass du sehr gern hast.“

Jetzt musste Frido nicht mehr überlegen. Voller Freude jubelte er: „Los, lass uns mein Goldstück holen. Sie flitzen nach Hause und kehrten samt Goldstück wieder zum Brunnen zurück. Frido näherte sich dem Brunnen ganz vorsichtig und sagte: „Aber was ist, wenn ich einen wichtigen Herzenswunsch vergesse oder noch gar nicht kenne?“ „Das ist nicht schlimm“, antwortete Storchi, „sobald du das Goldstück an den Brunnen übergeben hast, seid ihr für immer miteinander verbunden und du kannst jederzeit Herzenswünsche an ihn richten. Vielleicht schaffst du es auch nicht sofort, dankbar für etwas zu sein, was du noch gar nicht hast. Dann kannst du den Wunsch wieder und wieder an ihn richten und dich erneut auf den Weg machen. Das mit dem Dankbar-Sein ist nämlich keine einfache Sache.“
Daraufhin legte Frido das Goldstück in den Eimer, der an einem Seil befestigt über dem Brunnen hing. Ganz vorsichtig drehte er an der Kurbel und beförderte dabei das Goldstück in die Tiefe des Brunnens.

Auf dem Rückweg redeten die beiden kein Wort miteinander. Als sie an der Blumenwiese vorbeikamen, pflückte Frido einen Strauß, überreichte ihn Storchi und sagte: „DANKE

  • Das waren wirklich ganz besondere Ostern für Frido und Storchi. Wie war dein Osterfest in diesem Jahr? Was war wie immer und was war anders? Schreibe und male.
  • Stell dir vor, du kommst auch an einem Wunschbrunnen vorbei. Was ist dein Herzenswunsch. Schreibe und male.
21. April 2020

11. Die Lernabenteuer

Während Storchi gerade ihre Yoga-Übungen machte und Frido ihr dabei zuschaute, sagte er: „Du Storchi, jetzt sind die Kinder schon seit fünf Wochen nicht mehr in der Schule. Glaubst du, dass das mit dem Lernen zuhause klappt?“ „Ich traue es den Kindern zu“, sagte Storchi, „aber was ist eigentlich mit uns beiden? Wir waren auch seit fünf Wochen nicht mehr in der Schule und haben vor lauter Abenteuer das Lernen ganz vergessen.“ „Aber, aber“, stotterte Frido, „Abenteuer erleben macht doch viel mehr Spaß als Lernen.“ „Oh nein Liebling, das geht nicht!“, sagte Storchi ganz streng. „Wer Abenteuer erleben kann, der kann auch Lernen.“

Ohne auch nur einmal mit dem Schnabel zu zucken, nahm Storchi ihren Frido an den Flügel. Gemeinsam richteten sie sich ein Lernbüro ein und schauten auf der Schulhomepage, welche Aufgaben als nächstes anstehen. Voller Konzentration bearbeiteten sie die Aufgaben, bis Storchi irgendwann sagte: „Für heute haben wir genug geschrieben und gerechnet. Auf geht’s zum Flugunterricht!“ „Nein, bitte nicht“, winselte Frido, „du weißt doch ganz genau, dass ich zum Fliegen ein Fluggerät brauche.“ „Du brauchst dir keine Sorgen machen“, sagte Storchi, „wir werden heute nicht zu deinen Verwandten nach Afrika fliegen, aber wir machen eine Flugübung, damit das irgendwann mal möglich sein wird.

Frido fühlte sich gar nicht wohl bei dieser Sache und während sie in den Garten gingen, überlegte er: „Was ist das nur für eine Flugübung, die Storchi mit mir vor hat? Ich möchte das nicht.“ Doch als er das Übungsgerät sah, fiel ihm ein Stein vom Flügel. Es war die große Schaukel und der Flugunterricht wurde zu einem großen Spaß.

Nach dem Flugunterricht war Storchis Lieblingsfach Hüpfen an der Reihe. Sie holte zwei Säcke aus dem Keller und schon konnte die erste Übung, das Sackhüpfen, beginnen. Beim Sackhüpfen hatte Frido keine Chance gegen Storchi, dafür war er bei der zweiten Übung, dem Popohüpfen, klar im Vorteil.

Für den Musikunterricht gingen die beiden wieder ins Haus. Sie drehten ihre Lieblingsmusik laut auf und begannen zu tanzen. Und während die beiden tanzten, sagte Storchi: „Das ist unsere letzte Unterrichtsstunde für heute. Danach können wir wieder Abenteuer erleben.“ Frido wurde ganz nachdenklich: „Wie meint sie das nur? Das waren doch alles Abenteuer! Komisch?”

  • Die Übung Popohüpfen machen Frido und Storchi mit einer Wippe. Mache dich auf die Suche nach Materiealien, um eine eigene Wippe zu bauen.
27. April 2020

12. Das Leben

„Sag mal Frido, du schaust doch jeden Abend die Nachrichten. Hat Angela Merkel eigentlich schon entschieden, wann die Schule wieder weitergeht? Ich vermisse die Kinder so sehr.“ „Da wirst du dich noch eine Weile gedulden müssen“, sagte Frido. „Am 4. Mai geht es erstmal nur mit den Viertklässlern weiter. Wann es für die Kinder unserer Klasse weitergeht, ist noch ungewiss.“ „Ach Mensch“, fluchte Storchi, „mir reicht es langsam, ich habe es satt, immer warten zu müssen. Und außerdem habe ich den Schnabel voll von dieser Ungewissheit. Alles ist auf einmal so unsicher und alle reden davon, dass nichts mehr so sein wird, wie vor Corona. Ich kann es nicht mehr hören!“ „Aber jetzt beruhige dich doch erstmal“, sagte Frido, während er Storchi ganz sanft über den Schnabel streichelte. „Natürlich wird das Leben nach Corona ein anderes sein, aber überleg doch mal, so viele Abenteuer, wie in der letzten Zeit, haben wir noch nie erlebt und ich hoffe, dass es auch nach Corona damit weitergehen wird. Das ist doch eine großartige Veränderung.“ Während Frido sprach, krümmte sich Storchis Schnabel leicht nach links. Das war ein Zeichen dafür, dass sie ganz angestrengt nachdachte: „Mmhhh, eigentlich hast du recht. So habe ich das noch nie gesehen.“ „Da bist du nicht die einzige“, sagte Frido. „Die meisten wollen, dass alles wieder genau so wird, wie vorher, aber das wäre gegen das LEBEN.“ Storchis Schnabel krümmte sich wieder nach links, diesmal sogar noch stärker als zuvor: „Das verstehe ich nicht, wieso gegen das Leben? „Naja“, sagte Frido, „weil das Leben Veränderung ist. Ich will es dir erklären. Erinnerst du dich noch an die Zeit, als du kein Klassentier sein wolltest. Du wolltest unbedingt draußen in der Natur bleiben, weil du dich dort sicher fühltest. Nur dadurch, dass wir die Veränderung zuließen und Klassentiere wurden, konnten wir die vielen Abenteuer mit den Kindern erleben. Wenn wir auch die Veränderungen, die die Corona Zeit mit sich bringt, annehmen, können neue großartige Dinge geschehen, von denen wir noch nicht einmal die geringste Ahnung haben.“

Jetzt stand Storchis Schnabel ganz weit offen. Das war ein Zeichen dafür, dass sie aus dem Staunen nicht mehr herauskam. Frido begann zu schmunzeln und sprach weiter: „Auch wenn das Leben Veränderung ist, eines ist sicher – wir machen heute eine Wanderung.“ „Au jaaa“, jubelte Storchi, „das wird ein Abenteuer.“

Sie kramten ihre Wanderstöcke heraus und füllten ihren Rucksack mit Proviant: Haferkekse, Nüsse, belegte Brötchen, Wasser, Kaffee und eine Tafel Schokolade. Storchi schaute noch schnell im Wanderführer nach einer Route und schon konnte es losgehen.

Beim Wandern redeten die beiden meistens sehr wenig miteinander, stattdessen staunten sie über die wundervolle Natur. Diesmal kamen sie aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, denn sie begegneten drei Tierfamilien: Zuerst einer Fuchsfamilie, danach einer Rehfamilie und als sie durch den Wald wanderten, lief ihnen eine Wildschweinfamilie über den Weg. Hinter dem Wald lag ein großer See. Sie kamen dem See immer näher und konnten an dem Seil über dem See erkennen, dass es ein Wasserskisee war. „Schau mal Storchi“, rief Frido ganz aufgeregt, „wir sind seit Ewigkeiten kein Wasserski mehr gefahren.“ „Ja, das stimmt“, erwiderte Storchi, „aber ich denke nicht, dass die Wasserskibahn während der Corona Zeit geöffnet ist.“

Frido und Storchi gingen trotzdem zum Eingang und hatten großes Glück. Sie trafen auf den Besitzer der Wasserskianlage und er machte eine Flamingo-Storch-Corona-Ausnahme.

Beide schafften den Start direkt beim ersten Mal, ohne ins Wasser zu platschen und drehten viele Runden, Storchi auf ihren Skiern und Frido auf seinem Wakeboard. Das war so lange ein großer Spaß, bis Frido plötzlich ganz laut schrie: „Hilfe, hilfe!“ In diesem Moment drehte sich Storchi um und sah, wie er vom Board sprang und mit voller Wucht ins Wasser platschte. „Aua“, weinte Frido. Dann bewegte er sich ans Ufer und setzte sich auf sein Board. Plötzlich spürte er einen salzigen Geschmack auf seiner Zunge, es war eine dicke Träne, die über seinen Schnabel rollte. In diesem Moment eilte auch schon Storchi herbei. Völlig aus der Puste rief sie: „Geht es dir gut?“ „Ja, mir ist nichts passiert“, sagte Frido, „aber ich bin so sauer auf die Entenfamilie, immer müssen sie im Weg sein.“ Storchi sagte kein Wort, sondern nahm Frido in den Flügel und hielt ihn einfach nur fest. Dabei spürte Frido, wie der Geschmack auf seiner Zunge immer salziger wurde.

Als die beiden wieder Zuhause waren, sagte Storchi: „Du Frido, mir gehen die vielen Tierfamilien, die wir heute gesehen haben, nicht mehr aus dem Kopf.“ „Aber, aber“, begann Frido zu stottern, „meinst du etwa? Sind wir denn schon bereit für eine richtige eigene Familie?“ „Jetzt, da wir die Kinder in der Schule nicht mehr sehen, wird mein Wunsch immer größer“, sagte Storchi. „Ich könnte uns doch ein paar Eier legen.“ „Aber was wird dann aus unseren ganzen Abenteuern?“, fragte Frido ganz traurig. „Dafür haben wir dann keine Zeit mehr.“ „Das sehe ich anders“, entgegnete Storchi, „es warten ganz neue und großartige Abenteuer auf uns, von denen wir noch nicht einmal die geringste Ahnung haben. Aber dafür müssen wir Veränderungen zulassen. Waren das nicht deine Worte?“

Am Abend saßen sie gemeinsam mit drei Eiern vor dem Kamin. Sie konnten es kaum erwarten, so groß war die Vorfreude auf die Veränderung –  auf das neue Leben.

  • Vielleicht kommst du in der nächsten Zeit auch dazu, mit deiner Familie eine Wanderung zu machen. Versuche dabei, die Natur ganz aufmerksam zu beobachten. Welchen Tieren begegnest du? Welche Pflanzen entdeckst du? Vielleicht begegnest du auch einer Tierfamilie.
4. Mai 2020

13. Wie Frido und Storchi die Corona-Sorgen vergessen

Als Frido auf dem Sofa saß und die Nachrichten schaute, rief er ganz aufgeregt: „Storchi komm mal her, schnell!“ Storchi machte sofort die Nähmaschine aus und lief zu Frido ins Wohnzimmer. „Das musst du unbedingt sehen“, sagte Frido, „vielleicht geht es doch schneller mit der Schule weiter als erwartet, also nicht nur für die Kinder der 4. Klassen, sondern für alle Grundschulkinder. „Aber wie soll das nur für uns gehen?“, fragte Storchi ganz besorgt. „Wir werden doch bald Eltern und müssen uns um unsere eigenen Küken kümmern.“ „Wir finden für alles eine Lösung“, entgegnete Frido, „dann müssen wir halt erstmal in Elternzeit gehen, bevor wir als Klassentiere weiterarbeiten können.“ „Das sagtest du schon mal, dass es für alles eine Lösung gibt“, erwiderte Storchi, „aber mich regt es trotzdem auf, dass die Menschen in der Politik ihre Meinung ständig ändern müssen. Wer weiß, was sie morgen sagen?“ „Mich nervt dieses ständige hin und her doch auch“, stimmte Frido zu, „aber überleg doch mal, was das für uns bedeutet. Wir müssen uns jetzt noch keine Gedanken darüber machen, was morgen ist. Das einzige, was wichtig ist, ist der jetzige Moment. Wir dürfen jetzt Spaß haben! Hast du Lust auf eine Kissenschlacht?“ „Au jaaa“, freute sich Storchi. „Das wird ein großer Spaß.“

Die beiden suchten alle Kissen aus ihrem Haus zusammen und schon ging es los. Bei der Kissenschlacht konnten sie all die Corona-Sorgen vergessen, das war vielleicht ein tolles Gefühl. Storchi wollte, dass dieses Gefühl länger andauert. Also hatte sie die Idee, nach der Kissenschlacht eine Wasserschlacht zu machen. Und es funktionierte tatsächlich, auch hierbei fühlten sie sich frei von all den Corona-Sorgen.

Am Abend machten die beiden in ihrem Garten ein Lagerfeuer. Während sie ihr Stockbrot in das Feuer hielten, sagte Frido: „Ich bin traurig.“ „Aber was ist denn los?“, fragte Storchi. „Wir haben es doch so gut geschafft, uns abzulenken, im Jetzt zu sein und unsere Corona-Sorgen zu vergessen“ „Ja das stimmt“, entgegnete Frido, „aber jetzt bin ich nun mal traurig, wegen Herrn Swoboda. „Aber wieso macht dich Herr Swoboda traurig?“, fragte Storchi ganz erstaunt, „Er ist doch ein lebensfroher Mann.“ „Naja, du weißt doch“, sagte Frido, „er ist nicht nur ein lebensfroher Mann, sondern auch ein toller Musiker und gibt mir Gitarrenunterricht. Jetzt, da wir nicht mehr in der Schule sind, geht es auch damit nicht weiter“

Storchi ging zu Frido herüber, nahm ihn ganz sanft in den Flügel und tröstete ihn: „Ich weiß, wie du dich fühlst, aber versuche immer wieder an unser Motto zu denken. Wir wollen doch aus allen Situationen das Beste machen und auch immer das Gute in den Dingen sehen. Und weißt du, was ich besonders gut finde? Dass du schon ein wunderbares Lied auf der Gitarre spielen kannst.“ Daraufhin lächelte Frido ganz unsicher, schnappte sich seine Gitarre und begann zu spielen:

Frido und Storchi sind wieder zuhaus‘
Denn die Hochzeitsreise die fiel leider aus.
Doch zu Hause ist es still, keine Kinder sind zu seh’n
Und die Schule ist leer, wer kann das denn jetzt versteh’n?
Niemand da, trotzdem sind wir nicht allein!

Frido und Storchi, die bau’n sich ein Haus
Alle Klassentiere helfen dabei mit
Den ganzen Tag schuften sie hart und dabei wird viel gelacht
Die Wände stehen schon ganz fest und jetzt wird das Dach gemacht
Alle da, niemand lässt uns hier allein!

Refrain
Frido macht allen Mut unter der Iburg
Mensch dieser Held, der hat Ideen, ja das musst Du einmal seh’n!
Und Storchi findet das cool unter der Iburg
Es gibt nichts Schöneres auf der Welt, wenn man zusammen alles teilt,
Wenn man sich lieb hat.

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  • Wenn man sich lieb hat - Teil 1
    Calle Swoboda
    00:00

Am Ende des Liedes klapperte Storchi kräftig mit dem Schnabel, es hörte sich an, wie ein dicker Applaus. „Es ist so ein toller Abend“, sagte sie dann, „am liebsten würde ich die ganze Nacht draußen bleiben.“ „Ich habe eine Idee“, rief Frido ganz aufgeregt. „Wir zelten im Garten, das haben wir seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht“. Storchi war begeistert von dieser Idee und begann vor Freude zu hüpfen, während Frido das Zelt aus dem Keller holte. Es war zwar schon ziemlich dunkel, aber dank des Feuers hatten sie genügend Licht, um das Zelt aufzubauen.

Im Zelt spielten sie noch so lange Kniffel, bis Storchi plötzlich aufsprang und schrie: „Die Eier! Wir haben nicht nur die Corona Sorgen vergessen, sondern auch unsere Eier. Wir haben sie ganz alleine im Haus gelassen, obwohl sie die Wärme am Lagerfeuer so sehr gebraucht hätten. Was werden wir nur für Eltern?“ Frido schaffte es nicht mal, etwas zu sagen, da war Storchi schon weg. Kurze Zeit später kehrte sie mit den drei Eiern zurück ins Zelt. Sie nahmen sie mit in ihren Schlafsack und schlummerten tief und fest ein. Mitten in der Nacht wachte Storchi auf, zupfte an Fridos Federn und flüsterte: „Wach auf Frido! Da hat gerade etwas geknackt.“

30. Mai 2020

14. Frido und Storchi in großer Sorge

Storchi machte die ganze Nacht kein Auge mehr zu, so groß war die Sorge um eines der Küken. Das Knacken kam von einem Ei und die Schale hatte einen Riss. Am frühen morgen murmelte sie ganz besorgt vor sich hin: „Ich habe solche Angst um das Küken. Ob es wohl schon schlüpfen wollte? Aber dafür ist es doch noch zu früh! Wir müssen etwas unternehmen!“
Es gelang Frido nicht, sie zu beruhigen. Er umflügelte sie ganz sanft und sagte: „Alles wird gut. Wir fahren gleich zum Arzt und lassen das Ei untersuchen.“ Während er sprach, merkte er, wie Storchi sich entspannte, trotzdem wollte er sie in diesem Zustand nicht aufs Fahrrad lassen. „Wir können uns erst auf den Weg machen, wenn du dein inneres Gleichgewicht wieder zurück hast“, sagte er. Doch gerade als er die Worte ausgesprochen hatte, bekam er eine Idee. Er rannte schnell ins Haus und kehrte mit einem langen Seil wieder zurück. Dann spannte er das Seil zwischen zwei Bäume und machte gemeinsam mit Storchi ein paar Balancierübungen. Und es funktionierte tatsächlich. Nach nur kurzer Zeit hatte sie ihr inneres Gleichgewicht wieder zurück und die beiden konnten mit ihren Fahrrädern zum Arzt radeln.

Im Wartezimmer trafen sie auf Henriette die Henne. Das war vielleicht eine Überraschung. Henriette arbeitete auch viele Jahre als Klassentier, bis sie sich dazu entschied, eine eigene Familie zu gründen. „Henriette! Was machst du denn hier?“, riefen Frido und Storchi ganz erstaunt. „Wir haben uns ja seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen.“ „Ich muss mit meinen Küken zu einer Untersuchung“, antwortete sie und freute sich riesig, Frido und Storchi wiederzusehen. Am liebsten hätten sich die Drei vor Freude umflügelt, aber wegen des Corona Virus machten sie das lieber nicht und hielten den Sicherheitsabstand von 1,5 Metern ein. Sie wollten gerade damit beginnen, sich gegenseitig von ihren Abenteuern zu erzählen, da ertönte eine Stimme aus den Lautsprechern des Wartezimmers: „Henriette die Henne, bitte kommen Sie mit ihren Küken ins Behandlungszimmer!“ Und kurze Zeit später wurden auch schon Frido und Storchi aufgerufen.

Als sie die Tür zum Behandlungszimmer öffneten, trauten sie ihren Augen nicht mehr und riefen ganz überrascht: „Stefan? Was machst du denn hier?“ Stefan der Strauß begrüßte die beiden und sagte: „Frido und Storchi, was kann ich für euch tun?“ Die beiden antworteten im Chor: „Wir machen uns Sorgen um eines unserer Küken, aber verrate uns bitte zuerst, was du hier machst. Du arbeitest doch normalerweise auch als Klassentier.“ „Da habt ihr recht“, sagte Stefan, „aber die Corona Zeit bedeutet für mich auch eine Zeit der Veränderung.“ Er atmete einmal tief ein und wieder aus, dann redete er weiter: „Als die Schulen geschlossen wurden, kam ich mir so nutzlos vor. Ich war aber voller Energie und wollte diese Zeit mitgestalten, also fragte ich bei verschiedenen Ärzten nach, ob ich bei ihnen als Praxistier arbeiten könne. Und nun sitze ich hier.“

Frido und Storchi waren begeistert von Stefans Geschichte. Mit Eiern kannte sich der Strauß übrigens bestens aus. Ganz vorsichtig tastete er das Ei ab und machte einen Ultraschall. Die beiden konnten aufatmen. Das Küken war wohlauf und entwickelte sich bestens. Wahrscheinlich hat es mit seinen Füßen nur zu doll gestrampelt.

Auf dem Rückweg machten Frido und Storchi noch einen Halt auf dem Wochenmarkt. Während sie an den Obst- und Gemüseständen vorbeischlenderten, sagte Storchi: „Du Frido, Stefan der Strauß sagte, dass wir nun jederzeit damit rechnen können, dass unsere Küken schlüpfen. Wir haben aber noch kein Kükenzimmer. Sollten wir uns nicht mal langsam darum kümmern?“ Frido sprang vor Freude in die Luft und rief: „Au jaaa, ich liebe es, durch Möbelhäuser zu schlendern! Wir suchen die tollsten Kükenmöbel aus.“

Doch als die beiden vor dem Möbelhaus standen, war die Freude nicht mehr so groß. Die Menschenschlange vor dem Eingang war nämlich sehr lang. Wegen des Corona Virus waren die Geschäfte eine ganze Zeit lang geschlossen. Seitdem sie wieder geöffnet sind, kaufen die Menschen scheinbar wieder viel ein. Nach einer halben Stunde Wartezeit fragte Storchi: „Glaubst du, dass die Schlange vor einem Ballgeschäft auch so lang ist?“ „Das weiß ich nicht“, entgegnete Frido, „aber wie kommst du jetzt auf ein Ballgeschäft?“ „Jedes mal, wenn ich in einem Möbelhaus das Bälleparadies für Kinder sehe, wird mein Wunsch wieder so groß“, erwiderte sie. „Ich kenne ja viele deiner Wünsche“, sagte Frido, „aber diesen scheinbar noch nicht. Erzähl mir mehr davon.“ Storchi begann zu schmunzeln und sagte: „Ich hätte doch so gerne ein eigenes Bälleparadies:“ Daraufhin nahm Frido sie sofort an seinen Flügel und murmelte: „Wünsche sind dazu da, um in Erfüllung zu gehen.“ „Aber, aber was wird dann aus unseren Kükenmöbel?“, stotterte Storchi ganz besorgt. „Das Wichtigste ist, dass unsere Küken gesund auf die Welt kommen“, entgegnete Frido. „Alles andere schaffen wir auch, wenn sie da sind.“

Frido und Storchi hatten Glück. Die Menschenschlange vor dem Ballgeschäft war nicht so lang. Da sie 5000 bunte Bälle nicht mit dem Fahrrad transportieren konnten, gaben sie eine Bestelleung auf. Noch am selben Tag wurden die Bälle mit dem LKW zu ihrem Haus geliefert. Für Storchi ging ein Traum in Erfüllung. Sie hatte ein eigenes Bälleparadies.

26. Juni 2020

15. Das Familienwunder

In den nächsten Tagen hatten Frido und Storchi nichts Anderes als bunte Bälle im Kopf. Jeden Tag verbrachten sie mehrere Stunden in ihrem eigenen Bälleparadies. Dabei vergaßen sie ganz, was ihnen Stefan der Strauß mit auf den Weg gegeben hatte: Für die Entwicklung der Küken ist es wichtig, dass die Eier warm gehalten werden. Dass die Sonnenstrahlen in den letzten Tagen ständig die Erde berührten, bekamen die beiden jedoch nicht mit.

Erst als sie zum Kirschen Pflücken in den Garten gingen, bekam Storchi plötzlich einen Schreck: „Oh nein, oh nein, oh nein!“, rief sie ganz laut. „Spürst du es auch?“ „Aber was ist denn mit dir los?“, fragte Frido ganz besorgt. „Was soll ich auch spüren?“ „Na die Wärme unter deinen Füßen. Wir sollten doch unsere Eier warm halten und haben es vor lauter Bällen ganz vergessen.“ Ohne auch nur ein Wort zu sagen, rannte Frido so schnell er konnte ins Haus. Kurze Zeit später kehrte er mit einem großen Korb zurück und stellte ihn direkt in die Mittagssonne. In dem Korb lagen die Eier. Als Frido wieder beim Kirschbaum war, sagte Storchi: „Ich fühle mich so schlecht. Was werden wir nur für Eltern, wenn wir nicht einmal daran denken, die Eier in die warme Sonne zu legen.“ Storchi wollte sich noch weitere Vorwürfe machen, da wurde sie von Frido unterbrochen: „Pssst, hörst du es auch?“ Das Geräusch wurde immer lauter und sie ahnten schon, woher es kam.

Ganz aufgeregt liefen sie zum Korb. Und tatsächlich – die Küken begannen zu schlüpfen. Frido und Storchi redeten kein Wort miteinander, denn sie kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Vor ihren Augen ereignete sich das größte Wunder, dass sie jemals gesehen hatten. Es dauerte eine halbe Stunde, bis es alle drei Flamingo – Störche schafften, sich durch die harte Eierschale zu kämpfen und das Licht der Welt zu erblicken.

Nun musste alles ganz schnell gehen, denn darauf waren die beiden nicht vorbereitet. Storchi plapperte ganz aufgeregt: „Frido, du fliegst zum Möbelhaus und besorgst die Kükenmöbel und ich backe uns eine Willkommenstorte.“ „Aber, aber du weißt doch, dass ich Flugangst habe“, stotterte Frido. „Ist das nicht der perfekte Zeitpunkt, um deine Flugangst zu überwinden?“, entgegnete Storchi. „Wir tragen jetzt eine große Verantwortung. Du schaffst das! Ich glaube ganz fest an dich und du wirst sehen, hinter der Angst liegt das wahre Leben.“ Frido versuchte ganz ruhig zu bleiben. Er sagte kein Wort mehr, sondern kletterte auf das Gartenhäuschen, breitete seine Flügel aus und setzte zum Flug an. Alle schauten begeistert und voller Stolz in die Luft.

Während Frido unterwegs war, zeigte Storchi ihren Flamingo-Störchen schon mal den wichtigsten Raum im Haus – die Küche. Sie begannen zu rühren und zu mixen. Gemeinsam backten sie eine große Willkommenstorte.

Als Frido wieder heim kehrte, feierten sie alle zusammen ein Willkommensfest mit leckerer Torte, bunten Luftballons und lauter Musik. Frido konnte von der Torte nicht genug bekommen. „An diesem besonderen Tag dürfen es ruhig ein paar Stücke mehr sein“, sagte er, während er sich das fünfte Stück auf den Teller legte.

Am Abend konnten die Flamingo-Störche ihr erstes Bad genießen. Genau wie Frido und Storchi, liebten sie es, mit dem Schaum zu spielen.

Frisch gebadet verbrachten sie den Rest des Abends gemeinsam als Familie in ihrem Wohnzimmer. Sie spielten so lange, bis alle anfingen zu gähnen. Frido und Storchi waren entzückt darüber, wie die kleinen Schnäbel immer wieder auf und zu gingen.

Daraufhin brachten sie ihre Flamingo-Störche in die neuen Wiegen. Es dauerte gar nicht lange, da schliefen sie tief und fest und träumten von all den Abenteuern, die sie auf der wundervollen Erde erwarten.

05. Juli 2020

16. Filo, Fanni und Flori

Frido ging in den Keller und kehrte mit zwei Seilen und einem langen Brett wieder zurück. Es dauerte nicht lange, da hatte er mithilfe des großen Baumes im Garten eine Schaukel gebaut. Es war genau die Stelle, an der vor ein paar Stunden noch der Korb mit den Eiern stand. Die beiden setzten sich auf die Schaukel und redeten kein Wort miteinander. Sie schauten einfach nur in den Himmel. Dabei entdeckten sie Sternenbilder, die sie noch niemals zuvor gesehen hatten. Ganz leise flüsterte Storchi: „Schau mal Frido, siehst du auch das Sternenherz?“ Nachdem Frido es auch entdeckt hatte, wurde ihm plötzlich ganz warm ums Herz und seine Flamingo-Federn stellten sich ganz sanft auf, von der Gänsehaut, die er bekam.

Um kurz vor Mitternacht sagte er dann: „Es ist Zeit, dass wir schlafen gehen. Morgen warten viele neue Abenteuer auf uns.“

Als Storchi am nächsten Morgen wach wurde, schreckte sie auf und rief ganz aufgeregt: „Oh nein, oh nein, oh nein! Was sind wir nur für Eltern?“ Frido war noch im Tiefschlaf, doch davon wurde auch er wach. „Warum machst du dir denn schon wieder Vorwürfe?“, fragte er mit ganz verschlafener Stimme. „Naja“, sagte Storchi, „wir haben ganz vergessen, unseren Kindern Namen zu geben!“ Daraufhin umflügelte Frido sie ganz sanft und sagte: „Aber was spielt das schon für eine Rolle? Gestern war so ein aufregender Tag, da kann das schon mal passieren. Dafür geben wir ihnen heute die schönsten Namen der Welt.“

Es dauerte gar nicht lange, bis sie sich die schönsten Namen der Welt für ihre Kinder überlegten. Sie waren sich sehr schnell einig: Ihre Kinder sollten Filo, Fanni und Flori heißen.

Die Kinder schliefen noch tief und fest, also nutzten Frido und Storchi die Gelegenheit, in ihr Atelier zu gehen. Sie begannen fleißig zu werkeln. Frido bastellte ein Türschild für das Kinderzimmer mit den schönsten Namen der Welt. Währenddessen stichelte und stichelte es ordentlich. Das Stichelgeräusch kam von Storchis Nähmaschine. Sie nähte Schlabberlätzchen. Auch darauf standen die schönsten Namen der Welt.

Gerade als sie das Schild an der Kinderzimmertür befestigten, hörten sie alle Kinder im Chor rufen: „Wir haben Hunger!“ Frido und Storchi holten ihre Kinder aus den Wiegen und gingen mit ihnen ins Wohnzimmer. Dort bekam jeder sein eigenes Schlabberlätzchen und auch die Fläschchen standen schon bereit. Jetzt gab es kein Halten mehr. In Windeseile schlabberten sie ihr Fläschchen leer. Nur bei Filo dauerte es etwas länger, da Frido und Storchi schon mit zwei Kindern alle Flügel voll zu tun hatten. Sie musste sich ihr Fläschchen selbst holen.

Nach dem Essen gingen die Kinder zum Spielen in den Garten. Frido und Storchi blieben noch eine Weile im Wohnzimmer sitzen und beobachteten sie durch das große Fenster. „Du Storchi“, sagte Frido, „findest du es nicht auch wichtig, dass wir den Kindern unsere Wurzeln zeigen?“ „Bist du denn verrückt geworden?“, entgegnete Storchi. „Wir können doch nicht den ganzen Garten umgraben. Und wozu soll das überhaupt gut sein?“ „Ich meine doch nicht die Wurzeln der Pflanzen aus unserem Garten, du Knalltüte! Ich meine unsere Herkunft, du bist in Polen aufgewachsen und ich in Afrika.“ „Ach diese Wurzeln meinst du“, schmunzelte Storchi und sagte weiter: „Ja, ich finde es sehr wichtig, dass unsere Kinder ihre Wurzeln kennenlernen. Nach einer kurzen Stille fragte sie ganz aufgeregt: „Wollen wir gleich beginnen und morgen nach Afrika fliegen?“ Frido schaute mit großen Augen in die Ferne und flüsterte: „Ja, das wird ein Abenteuer!“

10. August 2020

17. Die Reise nach Afrika

Am nächsten Morgen hatten Frido und Storchi alle Flügel voll zu tun. Sie kramten ihren größten Koffer heraus und packten alles hinein, was für eine Safari in der afrikanischen Wildnis wichtig war: ein großes Zelt, Schlafsäcke, ein Taschenmesser, ein Feuerzeug, eine Petroleumlampe, einen Gaskocher und genügend Proviant. Als Frido zu guter letzt noch eine Krone in den Koffer legte, schaute Storchi ihn fragend an: „Wofür brauchen wir denn eine Krone? Wir wollen doch in Afrika kein Karneval feiern.“ „Nein, Karneval wollen wir nicht feiern“, entgegnete Frido, „aber es ist sehr wahrscheinlich, dass wir dem König der Tiere begegnen und ich finde, dann sollten wir ein Gastgeschenk parat haben.“ Stolz breitete er seine Flügel aus und rief mit lauter Stimme: „Storchi, Filo, Fanny und Flori! Seid ihr bereit? Dann steigt auf meinen Rücken!“ Storchi schaute Frido ungläubig an und sagte: „Es ist wirklich toll, dass du deine Flugangst überwunden hast und wir sind auch alle sehr stolz darauf, aber du solltest es erstmal langsam angehen lassen. Eine Reise nach Afrika ist kein Zuckerschlecken. Ich schlage vor, dass ich nicht auf deinen Rücken steige, sondern selbst fliege. Du nimmst den Koffer und Fanni und ich nehme Filo und Flori, ok?“ Frido gab Storchi keine Wiederworte, denn er spürte, dass sie Recht hatte.

Nun stand ihnen eine lange Flugreise bevor. Frido steuerte seinen Flamingokörper einwandfrei durch die Luft, doch gerade als sie den atlantischen Ozean überquerten, plapperte Storchi plötzlich mit ganz besorgter Stimme: „Frido, was hast du vor? Warum fliegst du so knapp über dem Wasser?“ Frido war völlig außer Atem und schnaufte: „Ich kann nicht mehr! Ich habe keine Kraft mehr! Ich brauche unbedingt eine Pause!“ „Siehst du die kleine Insel da vorne?“, rief Storchi ganz aufgeregt. „Halte durch, bis dahin schaffst du es noch.“

Puuhhh, das ist nochmal gut gegangen. Frido schaffte es noch so gerade bis zur Insel. Sofort streckte er seine Füße aus und machte einen Power Nap. Nach nur einer halben Stunde hatte er wieder genügend Energie für den restlichen Flug.

Am Abend erreichten sie endlich Südafrika und landeten auf einem hohen Berg. Sie schafften es sogar noch, das Zelt aufzubauen, bevor es richtig dunkel wurde. Die Kinder waren so müde von der langen Reise, dass es nicht mehr lange dauerte, bis sie tief und fest schliefen. Frido und Storchi machten es sich noch unter dem Sternenhimmel gemütlich. „Erinnerst du dich noch?“, fragte Storchi. „Genau auf diesem Berg sind wir uns zum ersten Mal begegnet. Es war damals im Jahr 2013, als ich zum ersten Mal im Winter alleine von Polen nach Afrika geflogen bin.“ „Ja, ich erinnere mich“, entgegnete Frido. „Wir verbrachten einen ganzen Tag zusammen, doch dann musste jeder wieder seinen ganz eigenen Weg gehen. Erst fünf Jahre später begegneten wir uns wieder, in der Schule unter der Iburg in der Klasse 2e von Herrn Junklewitz.“ „Und dann nahm alles seinen Lauf“, fügte Storchi noch hinzu. Während Frido und Storchi sich an ihr Kennenlernen zurückerinnerten, merkten auch sie die Müdigkeit von der langen Reise immer mehr. Sie gingen ins Zelt, hielten sich gegenseitig am Flügel fest und es dauerte keine fünf Minuten, da schliefen beide tief und fest.

Am nächsten Morgen wurden sie von der Sonne geweckt, die durch einen offenen Spalt ins Zelt blinzelte. Während Storchi und die Kinder noch ein wenig weiterschlummerten, machte sich Frido schon mal an die Arbeit. Er bereitete für alle ein leckeres Frühstück vor: Es gab Porridge mit verschiedenen Nüssen, Cranberrys, kleinen Schokostückchen und dazu Hafermilch.

An einem schönen Plätzchen mit einer wundervollen Sicht auf die afrikanische Wildnis frühstückte dann die Flamingo-Storch-Familie. Storchi hatte gerade ihr Porridge leergelöffelt, da sagte sie ganz aufgeregt: „Psssst, seid mal ganz ruhig. Hört ihr das auch?“ „Ja, was ist das für ein Geräusch?“, fragte Flori. „Ich habe Angst.“ „Du brauchst keine Angst haben, mein Sohn“, entgegnete Frido. „So lange wir Respekt vor den Tieren der Wildnis haben und ihnen würdevoll begegnen, werden sie uns nichts tun. Das Geräusch ist übrigens ein Löwengebrüll.“ „Der Löwe ist doch der König der Tiere“, plapperte Storchi dazwischen. „Ja, genau“, sagte Frido. „Ich hole eben die Krone. Dann gehen wir zu ihm und überreichen ihm unser Gastgeschenk.“

Der Löwe war fast ein wenig verlegen, als Frido ihm die Krone überreichte, aber er freute sich sehr und nahm sie dankend an. Dann sagte er: „König zu sein, ist nicht immer leicht. Es ist eine sehr große Verantwortung und manchmal bin ich mir nicht sicher, ob ich dieser Verantwortung gewachsen bin, aber ich versuche immer mein Bestes zu geben.“ Dann verabschiedete er sich mit den Worten: „Hakuna Matata“ und zog von dannen. Voller Ehrfurcht schaute die Flamingo-Storch-Familie dem Löwen hinterher. Als er kaum noch zu sehen war, fragte Fanni: „Du Papa, was bedeutet Hakuna Matata?“ „Also Kinder“, sagte Frido, „Hakuna Matata ist ein Spruch aus der afrikanischen Sprache und wörtlich übersetzt heißt es: ´Es gibt keine Probleme´ oder ´Alles in bester Ordnung´. „Das verstehe ich nicht!“, plapperte Filo dazwischen. „Ok, dann will ich mal versuchen, es mit meinen eigenen Worten zu erklären“, sagte Frido. Er dachte eine Weile nach, dann begann er zu sprechen: „Mit Hakuna Matata ist gemeint, dass das Leben auf der Erde ein wundervolles Geschenk ist. Es gibt ganz viele tolle Dinge zu entdecken und zu erfahren, an denen man sich erfreuen kann.“ Während Frido sprach, konnte Storchi beobachten, wie die Kinder vor Freude begannen in die Luft zu hüpfen. Dann fragten sie im Chor: „Gilt das auch für Afrika?“ „Ohhh ja“, entgegnete Frido. Lasst uns gemeinsam die Wunder der afrikanischen Wildnis erleben…

August 2020

18. Wie geht es weiter ... ?

Du kannst schon ganz gespannt sein, wie es für Frido und Storchi weitergeht. In Kürze erscheint hier eine neues Abenteuer.
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