17. Die Reise nach Afrika

10. August 2020

Am nächsten Morgen hatten Frido und Storchi alle Flügel voll zu tun. Sie kramten ihren größten Koffer heraus und packten alles hinein, was für eine Safari in der afrikanischen Wildnis wichtig war: ein großes Zelt, Schlafsäcke, ein Taschenmesser, ein Feuerzeug, eine Petroleumlampe, einen Gaskocher und genügend Proviant. Als Frido zu guter letzt noch eine Krone in den Koffer legte, schaute Storchi ihn fragend an: „Wofür brauchen wir denn eine Krone? Wir wollen doch in Afrika kein Karneval feiern.“ „Nein, Karneval wollen wir nicht feiern“, entgegnete Frido, „aber es ist sehr wahrscheinlich, dass wir dem König der Tiere begegnen und ich finde, dann sollten wir ein Gastgeschenk parat haben.“ Stolz breitete er seine Flügel aus und rief mit lauter Stimme: „Storchi, Filo, Fanny und Flori! Seid ihr bereit? Dann steigt auf meinen Rücken!“ Storchi schaute Frido ungläubig an und sagte: „Es ist wirklich toll, dass du deine Flugangst überwunden hast und wir sind auch alle sehr stolz darauf, aber du solltest es erstmal langsam angehen lassen. Eine Reise nach Afrika ist kein Zuckerschlecken. Ich schlage vor, dass ich nicht auf deinen Rücken steige, sondern selbst fliege. Du nimmst den Koffer und Fanni und ich nehme Filo und Flori, ok?“ Frido gab Storchi keine Wiederworte, denn er spürte, dass sie Recht hatte.

Nun stand ihnen eine lange Flugreise bevor. Frido steuerte seinen Flamingokörper einwandfrei durch die Luft, doch gerade als sie den atlantischen Ozean überquerten, plapperte Storchi plötzlich mit ganz besorgter Stimme: „Frido, was hast du vor? Warum fliegst du so knapp über dem Wasser?“ Frido war völlig außer Atem und schnaufte: „Ich kann nicht mehr! Ich habe keine Kraft mehr! Ich brauche unbedingt eine Pause!“ „Siehst du die kleine Insel da vorne?“, rief Storchi ganz aufgeregt. „Halte durch, bis dahin schaffst du es noch.“

Puuhhh, das ist nochmal gut gegangen. Frido schaffte es noch so gerade bis zur Insel. Sofort streckte er seine Füße aus und machte einen Power Nap. Nach nur einer halben Stunde hatte er wieder genügend Energie für den restlichen Flug.

Am Abend erreichten sie endlich Südafrika und landeten auf einem hohen Berg. Sie schafften es sogar noch, das Zelt aufzubauen, bevor es richtig dunkel wurde. Die Kinder waren so müde von der langen Reise, dass es nicht mehr lange dauerte, bis sie tief und fest schliefen. Frido und Storchi machten es sich noch unter dem Sternenhimmel gemütlich. „Erinnerst du dich noch?“, fragte Storchi. „Genau auf diesem Berg sind wir uns zum ersten Mal begegnet. Es war damals im Jahr 2013, als ich zum ersten Mal im Winter alleine von Polen nach Afrika geflogen bin.“ „Ja, ich erinnere mich“, entgegnete Frido. „Wir verbrachten einen ganzen Tag zusammen, doch dann musste jeder wieder seinen ganz eigenen Weg gehen. Erst fünf Jahre später begegneten wir uns wieder, in der Schule unter der Iburg in der Klasse 2e von Herrn Junklewitz.“ „Und dann nahm alles seinen Lauf“, fügte Storchi noch hinzu. Während Frido und Storchi sich an ihr Kennenlernen zurückerinnerten, merkten auch sie die Müdigkeit von der langen Reise immer mehr. Sie gingen ins Zelt, hielten sich gegenseitig am Flügel fest und es dauerte keine fünf Minuten, da schliefen beide tief und fest.

Am nächsten Morgen wurden sie von der Sonne geweckt, die durch einen offenen Spalt ins Zelt blinzelte. Während Storchi und die Kinder noch ein wenig weiterschlummerten, machte sich Frido schon mal an die Arbeit. Er bereitete für alle ein leckeres Frühstück vor: Es gab Porridge mit verschiedenen Nüssen, Cranberrys, kleinen Schokostückchen und dazu Hafermilch.

An einem schönen Plätzchen mit einer wundervollen Sicht auf die afrikanische Wildnis frühstückte dann die Flamingo-Storch-Familie. Storchi hatte gerade ihr Porridge leergelöffelt, da sagte sie ganz aufgeregt: „Psssst, seid mal ganz ruhig. Hört ihr das auch?“ „Ja, was ist das für ein Geräusch?“, fragte Flori. „Ich habe Angst.“ „Du brauchst keine Angst haben, mein Sohn“, entgegnete Frido. „So lange wir Respekt vor den Tieren der Wildnis haben und ihnen würdevoll begegnen, werden sie uns nichts tun. Das Geräusch ist übrigens ein Löwengebrüll.“ „Der Löwe ist doch der König der Tiere“, plapperte Storchi dazwischen. „Ja, genau“, sagte Frido. „Ich hole eben die Krone. Dann gehen wir zu ihm und überreichen ihm unser Gastgeschenk.“

Der Löwe war fast ein wenig verlegen, als Frido ihm die Krone überreichte, aber er freute sich sehr und nahm sie dankend an. Dann sagte er: „König zu sein, ist nicht immer leicht. Es ist eine sehr große Verantwortung und manchmal bin ich mir nicht sicher, ob ich dieser Verantwortung gewachsen bin, aber ich versuche immer mein Bestes zu geben.“ Dann verabschiedete er sich mit den Worten: „Hakuna Matata“ und zog von dannen. Voller Ehrfurcht schaute die Flamingo-Storch-Familie dem Löwen hinterher. Als er kaum noch zu sehen war, fragte Fanni: „Du Papa, was bedeutet Hakuna Matata?“ „Also Kinder“, sagte Frido, „Hakuna Matata ist ein Spruch aus der afrikanischen Sprache und wörtlich übersetzt heißt es: ´Es gibt keine Probleme´ oder ´Alles in bester Ordnung´. „Das verstehe ich nicht!“, plapperte Filo dazwischen. „Ok, dann will ich mal versuchen, es mit meinen eigenen Worten zu erklären“, sagte Frido. Er dachte eine Weile nach, dann begann er zu sprechen: „Mit Hakuna Matata ist gemeint, dass das Leben auf der Erde ein wundervolles Geschenk ist. Es gibt ganz viele tolle Dinge zu entdecken und zu erfahren, an denen man sich erfreuen kann.“ Während Frido sprach, konnte Storchi beobachten, wie die Kinder vor Freude begannen in die Luft zu hüpfen. Dann fragten sie im Chor: „Gilt das auch für Afrika?“ „Ohhh ja“, entgegnete Frido. Lasst uns gemeinsam die Wunder der afrikanischen Wildnis erleben…

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