8. Die „Flamingo–Storch–Corona–Ausnahme“

6. April 2020

Das war ein Schreck. Storchi ist mit ihrem Schnabel im Schlüsselloch der Eingangstür der Schule unter der Iburg steckengeblieben. Zum Glück ist das nochmal gut gegangen. Als die beiden danach im Gebüsch waren, kitzelte Frido Storchi so sehr an der Spitze ihres Schnabels, dass dieser sich vor lauter Lachen sogar einen Moment lang krümmte. Die Sache mit dem Türschloss hatte sie längst vergessen und sagte: „Du Frido, wenn wir jetzt schon in der Schule sind, was würdest du davon halten, wenn wir mal in der Sporthalle vorbeischauen?“ „Aber was willst du denn in der Sporthalle?“, fragte Frido ganz erstaunt. „Und außerdem glaube ich nicht, dass sie auf ist, wir haben doch Corona Zeit! Niemand ist in der Schule und die Kinder aus den Vereinen dürfen auch keinen Sport machen.“ „Ich weiß, du hast ja recht“, sagte Storchi, „aber lass uns wenigstens schauen. Vielleicht haben wir Glück.“ „Meinetwegen“, stöhnte Frido, „aber du hast mir noch immer nicht gesagt, was du dort willst.“ Storchi begann zu schmunzeln und sagte: „Du weißt doch, wie gerne ich hüpfe. Ich würde so gerne das Trampolin aufbauen und einfach nur stundenlang hüpfen. „Ohhh jaaaa, das wäre ein Abenteuer, das große Trampolin nur für uns zwei!“, freute sich Frido. Dann wurde er etwas ängstlich und sagte: „Aber hoffentlich erwischt uns niemand dabei.“

Frido und Storchi hatten Glück. Die Sporthalle war tatsächlich auf. Ganz leise schlichen sie hinein, um sich erstmal zu vergewissern, ob auch wirklich niemand da ist. Doch plötzlich hörten sie, wie sich die Toilettentür öffnete. Sie schafften es nicht mehr, sich zu verstecken. Eine laute Stimme hallte durch den Gang: „Was macht ihr zwei Knalltüten denn hier?“ Als Frido und Storchi sahen, wem die Stimme gehörte, zuckten sie zusammen. Es war der Hausmeister Herr Eyers. „Ihr habt hier nichts verloren!“, schimpfte er. „Die Corona – Regeln gelten für alle: Auch für Flamingos und Störche!“ „Aber, aber“, stotterte Storchi, „könnten wir nicht eine klitzekleine Flamingo-Storch-Corona-Ausnahme machen?“ „Nix da!“, entgegnete Herr Eyers. „Ihr macht jetzt sofort einen riesengroßen Flamingo-Storch-Abflug.“ In diesem Moment lief Storchi eine dicke Träne über die Wange. Mit trauriger Stimme sagte sie: „Aber Herr Eyers, du weißt doch auch wie gerne ich hüpfe! Jetzt wäre endlich mal die Gelegenheit. Frido und ich hätten das Trampolin für uns ganz allein. Bitte, bitte, bitte…“ Wenn Herr Eyers eins nicht sehen kann, dann sind es traurige Klassentiere. „Also gut ihr beiden, das ist dann aber wirklich eine riesengroße Flamingo-Storch-Corona-Ausnahme. Ihr dürft zwei Stunden hüpfen und danach macht ihr einen Flamingo-Storch-Abflug, versprochen?“ „Versprochen!“, jubelten Frido und Storchi.

Sie stürmten in den Geräteraum und bauten das Trampolin in der Mitte der Sporthalle auf. Für Storchi ging ein großer Traum in Erfüllung. Sie hüpfte zwei Stunden lang, ohne eine einzige Pause zu machen. Frido hingegen brauchte schon immer mal wieder eine Pause und achtete auch ganz gewissenhaft auf die Zeit, bis er irgendwann rief: „Storchi! Wir müssen aufhören, die zwei Stunden sind um.“ „Ach neee!“, rief Storchi. „Das ging zu schnell. Lass uns doch noch weiter hüpfen.“ „Nein, das geht nicht!“, sagte Frido bestimmt. „Ein Versprechen ist ein Versprechen und wir haben Herrn Eyers ein Versprechen gegeben. Los, jetzt lass uns gehen!“ „Du hast ja recht“, entgegnete Storchi, „aber du weißt doch, wenn ich einmal angefangen habe zu hüpfen, kann ich nur ganz schwer wieder aufhören.“

Storchi hatte großes Glück. Draußen regnete es in Strömen und so konnte sie weiterhüpfen, zwar nicht mehr auf dem Trampolin, aber dafür von Pfütze zu Pfütze – und das machte mindestens genau so viel Spaß. Beim Hüpfen vergaß sie jedes Mal die Welt um sich herum. Auch diesmal bemerkte sie nicht, dass Frido weit hinten zurückgeblieben ist. Erst als sie in der Luft eine Drehung machte, sah sie es. Sofort lief sie zurück und konnte sehen, dass Frido etwas in der Hand hielt. „Schau mal Storchi, was ich hier in der Pfütze gefunden habe!“, rief Frido von weitem. „Was ist das?“, fragte Storchi, als sie direkt vor ihm stand. „Na siehst du es nicht? Das ist ein Goldstück“, freute sich Frido. „Heißt das etwa“, stotterte Storchi ganz aufgeregt, „heißt das etwa, dass wir reich sind?“ „Naja“, überlegte Frido, „ich weiß nicht so genau, ob man schon von einem Goldstück reich ist, aber ich glaube, es müsste für ein großes Trampolin reichen“ „Du willst davon wirklich ein Trampolin kaufen?“, freute sich Storchi. „Ich weiß doch wie gerne du hüpfst, Liebling. Du wirst dich nur eine Weile gedulden müssen“, sagte Frido. „Aber warum?“, entgegnete Storchi. „Lass uns doch direkt in ein Trampolingeschäft hüpfen. „Da wirst du aber nur bis vor das Geschäft hüpfen können“, entgegnete Frido, „und nicht hinein. Du hast schon wieder vergessen, dass gerade Corona Zeit ist und nur die wichtigen Geschäfte geöffnet sind.“ „Aber Trampolinspringen ist doch wichtig“, dachte sich Storchi, dann sagte sie: „Na gut, macht nichts. Die Vorfreude ist doch eh die schönste Freude. Wir müssen nur gut auf das Goldstück aufpassen.“

Mittlerweile hatte es aufgehört zu regnen. Die Sonne kam wieder heraus und die Pfützen waren auch schon ausgetrocknet. Sie hatten noch ein gutes Wegstück bis zu ihrem Haus vor sich. Irgendwann sagte Storchi: „Ich kann nicht mehr, meine Beine sind so schlapp vom ganzen Hüpfen. Würdest du mich Huckepack nehmen?“ Frido zögerte nicht, breitete seine Flügel leicht aus und sagte: „Na los, spring auf meinen Rücken! Ich trage dich.“ In diesem Moment hörten sie ein lautes Klirren. „Oh nein!“, rief Storchi. „Das Goldstück, es ist in den Gulli gefallen. „Ach, so ein Mist!“, fluchte Frido. „Ich habe ganz vergessen, dass ich es in meinem Flügel verstaut hatte. Was machen wir nun?“ Storchi überlegte, dann sagte sie: “Ich könnte es mit meinem Schnabel versuchen. Ich hab nur solche Angst davor, wieder steckenbleiben.“ Ganz vorsichtig steckte sie ihren Schnabel in den Spalt des Gullideckels. „Und, kommst du dran?“ rief Frido ganz aufgeregt …

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