15. Das Familienwunder

26. Juni 2020

In den nächsten Tagen hatten Frido und Storchi nichts Anderes als bunte Bälle im Kopf. Jeden Tag verbrachten sie mehrere Stunden in ihrem eigenen Bälleparadies. Dabei vergaßen sie ganz, was ihnen Stefan der Strauß mit auf den Weg gegeben hatte: Für die Entwicklung der Küken ist es wichtig, dass die Eier warm gehalten werden. Dass die Sonnenstrahlen in den letzten Tagen ständig die Erde berührten, bekamen die beiden jedoch nicht mit.

Erst als sie zum Kirschen Pflücken in den Garten gingen, bekam Storchi plötzlich einen Schreck: „Oh nein, oh nein, oh nein!“, rief sie ganz laut. „Spürst du es auch?“ „Aber was ist denn mit dir los?“, fragte Frido ganz besorgt. „Was soll ich auch spüren?“ „Na die Wärme unter deinen Füßen. Wir sollten doch unsere Eier warm halten und haben es vor lauter Bällen ganz vergessen.“ Ohne auch nur ein Wort zu sagen, rannte Frido so schnell er konnte ins Haus. Kurze Zeit später kehrte er mit einem großen Korb zurück und stellte ihn direkt in die Mittagssonne. In dem Korb lagen die Eier. Als Frido wieder beim Kirschbaum war, sagte Storchi: „Ich fühle mich so schlecht. Was werden wir nur für Eltern, wenn wir nicht einmal daran denken, die Eier in die warme Sonne zu legen.“ Storchi wollte sich noch weitere Vorwürfe machen, da wurde sie von Frido unterbrochen: „Pssst, hörst du es auch?“ Das Geräusch wurde immer lauter und sie ahnten schon, woher es kam.

Ganz aufgeregt liefen sie zum Korb. Und tatsächlich – die Küken begannen zu schlüpfen. Frido und Storchi redeten kein Wort miteinander, denn sie kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Vor ihren Augen ereignete sich das größte Wunder, dass sie jemals gesehen hatten. Es dauerte eine halbe Stunde, bis es alle drei Flamingo – Störche schafften, sich durch die harte Eierschale zu kämpfen und das Licht der Welt zu erblicken.

Nun musste alles ganz schnell gehen, denn darauf waren die beiden nicht vorbereitet. Storchi plapperte ganz aufgeregt: „Frido, du fliegst zum Möbelhaus und besorgst die Kükenmöbel und ich backe uns eine Willkommenstorte.“ „Aber, aber du weißt doch, dass ich Flugangst habe“, stotterte Frido. „Ist das nicht der perfekte Zeitpunkt, um deine Flugangst zu überwinden?“, entgegnete Storchi. „Wir tragen jetzt eine große Verantwortung. Du schaffst das! Ich glaube ganz fest an dich und du wirst sehen, hinter der Angst liegt das wahre Leben.“ Frido versuchte ganz ruhig zu bleiben. Er sagte kein Wort mehr, sondern kletterte auf das Gartenhäuschen, breitete seine Flügel aus und setzte zum Flug an. Alle schauten begeistert und voller Stolz in die Luft.

Während Frido unterwegs war, zeigte Storchi ihren Flamingo-Störchen schon mal den wichtigsten Raum im Haus – die Küche. Sie begannen zu rühren und zu mixen. Gemeinsam backten sie eine große Willkommenstorte.

Als Frido wieder heim kehrte, feierten sie alle zusammen ein Willkommensfest mit leckerer Torte, bunten Luftballons und lauter Musik. Frido konnte von der Torte nicht genug bekommen. „An diesem besonderen Tag dürfen es ruhig ein paar Stücke mehr sein“, sagte er, während er sich das fünfte Stück auf den Teller legte.

Am Abend konnten die Flamingo-Störche ihr erstes Bad genießen. Genau wie Frido und Storchi, liebten sie es, mit dem Schaum zu spielen.

Frisch gebadet verbrachten sie den Rest des Abends gemeinsam als Familie in ihrem Wohnzimmer. Sie spielten so lange, bis alle anfingen zu gähnen. Frido und Storchi waren entzückt darüber, wie die kleinen Schnäbel immer wieder auf und zu gingen.

Daraufhin brachten sie ihre Flamingo-Störche in die neuen Wiegen. Es dauerte gar nicht lange, da schliefen sie tief und fest und träumten von all den Abenteuern, die sie auf der wundervollen Erde erwarten.

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